Beim Kampf gegen das Bargeld hat sich eine unheilige Allianz aus Staat, Geschäftsbanken, einigen Zentralbanken und sogar Ökonomen gebildet, die an einer schleichenden Abschaffung des Bargeldes interessiert sind. Die Argumente sind dabei höchst unterschiedlich, haben jedoch eine grosse Gemeinsamkeit: Sie sind fadenscheinig.

Staatliche Stellen argumentieren vor allem mit der Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität. Eine Abschaffung von grossen Noten oder noch besser eine totale Abschaffung des Bargeldes würde Kriminellen, Terroristen oder Steuersündern das Leben erschweren, da sie für die Geldwäscherei auf Bargeld angewiesen sind. In Schweden, wo dank des Bezahlsystems Swish die Entwicklung zur bargeldlosen Gesellschaft schon weit vorangeschritten ist, bezeichnete der Stockholmer Polizeipräsident Bargeld als «das Blut in den Adern der Kriminalität». Doch dass weniger Bargeld gleichzeitig weniger Kriminalität, Terrorismus oder Korruption bedeutet, ist ein frommer Wunsch. Zwar wird man traditionelle kriminelle Aktivitäten dadurch verkomplizieren, aber dafür schafft man neue Chancen im Bereich der Cyberkriminalität. Innovative Kriminelle werden ihr Geld in Zukunft «virtuell» waschen, indem sie etwa virtuelle Währungen wie Bitcoin verwenden.

In Wirklichkeit ist die Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus vor allem ein Vorwand, um die totale Transparenz über sämtliche Zahlungsaktivitäten der Bewohner eines Landes zu erlangen. Das erleichtert dem Staat, die Steuern einzutreiben, aber nicht nur das. Wenn man über sämtliche Zahlungsvorgänge der Bürger Bescheid weiss, dann kann man diese auch immer besser überwachen und Menschen mit «verdächtigem» Zahlungsverhalten präventiv ausspionieren.

Und aufgepasst: Der Staat ist längst nicht der Einzige, der an der lückenlosen Erfassung unserer Zahlungen interessiert ist. So können etwa Banken dann aufgrund des Zahlungsverhaltens «gute» von «schlechten» Schuldnern unterscheiden und die Zinssätze individuell anpassen. Oder Versicherungen wären in der Lage, die Risiken ihrer Kunden anhand von verdächtigen Zahlungen zu eruieren und dann entsprechende Policen zu gestalten – beziehungsweise zu entscheiden, wen man versichern will und wen nicht. Schliesslich geht es auch um das Ausspionieren zwischen Privatpersonen. So gibt es wohl manche Ehefrau oder manchen Ehemann, der aus bestimmten Gründen gerne über sämtliche Zahlungen des Ehepartners Bescheid wüsste.

Neben dem Staat sind auch Geschäftsbanken an der langsamen Eliminierung des Bargeldes interessiert. Dabei wird vordergründig mit höherer Effizienz und geringeren Kosten argumentiert. In Wirklichkeit käme den Banken die Abschaffung des Bargeldes vor allem deshalb gelegen, weil es uns im heutigen System zwingen würde, sämtliche Zahlungsvorgänge über die Banken vorzunehmen. Mit den für Zahlungen erhobenen Gebühren verdienen Banken einen grossen Teil ihres Geldes, während sie bei Bargeldzahlungen weitgehend leer ausgehen. 

Schliesslich haben sich auch einige Zentralbanken für die Abschaffung des Bargeldes starkgemacht. Dabei stehen kurzfristige geldpolitische Überlegungen im Vordergrund. Wenn die Zentralbanken wie zurzeit in der Schweiz die Zinsen in negatives Territorium drücken, dann findet eine verstärkte Flucht ins Bargeld statt, um diese negativen Zinsen zu umgehen. Dieses Bargeld wird dann zu einem grossen Teil gehortet, und so wird verhindert, dass negative Zinsen die Wirtschaft stimulieren. In dieses Horn stossen auch Ökonomen wie der Harvard-Professor Kenneth Rogoff: «Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln», meinte dieser im Jahr 2014 bei einer Veranstaltung des Ifo-Instituts in München.

Der Glaube, dass Zentralbanken ohne Bargeld wieder an Macht gewinnen werden, mutet aller-dings reichlich naiv an. Auch in diesem Fall würden negative Zinsen höchstens kurzfristig wirken. Man kann Unternehmen längerfristig auch mit negativen Zinsen nicht zu Investitionen verführen, wenn keine entsprechenden Wachstumserwartungen existieren. Was man stattdessen fördert, sind Investitionen in Immobilien oder Aktien, was dann zu spekulativen Blasen statt zu Wirtschaftswachstum führt.

Halten wir als Fazit also fest: Die Abschaffung des Bargeldes hilft dem Staat, uns zu überwachen, den Banken, Geld zu verdienen, und sie fördert die Bildung von spekulativen Blasen. Das ist alles nicht erstrebenswert!