Wer in den letzten Tagen in Aarau oder Buchs unterwegs war, kam um das graue Büsi nicht herum. Auf gelbem Grund guckt es von den Kandelabern und Geländern auf die Stimmbürger herab. Seine Botschaft: «Stimmt am 21. Mai gegen die Kreisschule Aarau-Buchs, sonst kriegt ihr die Katze im Sack.»

Zugegeben – ganz falsch ist das Bild nicht. Denn faktisch entscheiden die Stimmbürger nur, ob sie eine gemeinsame Kreisschule oder zwei separate Gemeindeschulen wollen. Dies, weil die bisherige Kreisschule Buchs-Rohr nach der Fusion von Rohr und Aarau nicht dauerhaft beibehalten werden kann. Es geht also um den Grundsatzentscheid, ob man gemeinsam weitergehen will. Die meisten Details werden erst nach der Abstimmung geregelt. Das macht die Vorlage abstrakter – und verlockt zu Fehlinterpretationen, die in emotionalen Grabenkämpfen zwischen Befürwortern und Gegnern münden.

Klar, eine Kreisschule Aarau-Buchs hat auch Schwächen. Die finanziellen Auswirkungen sind schwer zu beziffern. Die Verwaltung wird leicht grösser. Auch die Schülerzahl pro Klasse steigt im Durchschnitt leicht an (im Rahmen von 2 bis 3 Schülern) – dafür wird es keine Mini- und Mega-Klassen mehr geben, weil sich Jahrgangsschwankungen besser auf die verschiedenen Schulhäuser verteilen lassen. So läuft Buchs auch nicht Gefahr, seine Bezirksschule zu verlieren – das wichtigste Pro-Argument aus Buchser Sicht. Aber auch sonst spricht vieles für eine gemeinsame Kreisschule. Etwa die guten Erfahrungen, die Buchs und Rohr damit gemacht haben. Oder die angedachte Sonderpädagogik der neuen Kreisschule, die sowohl integrative Schulung (Modell Aarau) als auch Kleinklassen (Modell Buchs) vorsieht. Das bietet für jedes betroffene Kind eine individuelle Lösung; egal, wo es wohnt.

Weiter versprechen sich die beiden Gemeinden von der Kreisschule finanzielle Vorteile. Zwar nicht sofort, aber mittelfristig, wenn die Schulraumplanung gemeinsam angegangen wird und die Abteilungszahlen weniger schnell wachsen. Ausserdem: In Aarau wird der Platz für Schulbauten knapp, während Buchs in der Suhrenmatte eine Landreserve für ein neues Oberstufenzentrum hat. Also in Velodistanz zum Rohrer Hinterfeld und zum Torfeld. Zwei der wenigen Orte, an denen in Aarau noch neuer Wohnraum im grossen Stil entstehen kann.

Warum Verträge keine Option sind

Interessanterweise sehen viele Kreisschulgegner diese Vorteile auch. Sie sind aber der Meinung, es liesse sich alles über Verträge zwischen zwei selbstständigen Schulgemeinden Aarau und Buchs lösen. Das ist hoch gepokert. Erstens müsste auf beiden Seiten die Bereitschaft da sein. Und zweitens haben Verträge einen entscheidenden Nachteil: Es tun sich damit keine gleichberechtigten Partner zusammen, sondern eine Schulgemeinde und ihr Kunde. Wenn dann Aarauer Kinder in die Buchser Suhrenmatte zur Schule gehen, zahlt die Stadt an Buchs Schulgeld, hat aber nichts zu sagen. Umgekehrt gilt dasselbe.

In den letzten Tagen haben die Haushalte beider Gemeinden zahlreiche Flyer zur Abstimmung erhalten. Vor allem von der Gegnerschaft. Schade: Viele ihrer Argumente halten einer Überprüfung nicht stand. Sie sind entweder falsch oder gehen vom schlimmstmöglichen Szenario aus. So behauptet die Gruppierung «Besorgte Eltern» auf ihrem Flyer zum Beispiel, in Küttigen gäbe es ein leerstehendes Oberstufenschulhaus, das bei der Schulraumplanung nicht berücksichtigt worden sei. Fragt man in Küttigen nach, heisst es aber, weder heute noch in Zukunft verfüge die Gemeinde über leere Schulhäuser. Dieselbe Gruppierung schreibt, eine Kreisschule führe zu einem «ungleichen Angebot für die Schüler». Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Kreisschule ist ja gerade dafür da, gleiche Rechte und Pflichten für alle zu schaffen.

Zudem wiederholt die Gegnerschaft vehement, bei einer Kreisschule müssten Schülertaxis eingesetzt werden, um Primarschüler vom Zelgli nach Buchs zu karren oder von Rohr ins Gönhard. Tatsache ist: Einzelfälle, bei denen die Eltern nicht mit der Zuteilung zu einem Schulhaus einverstanden sind, gab es schon immer und wird es immer geben. Und auch bei der Kreisschule gilt der Grundsatz: Kindergärtler und Primarschüler gehen in ihr Quartierschulhaus. Den Oberstufenschülern können etwas weitere Schulwege zugemutet werden. Seit der Umstellung auf sechs Jahre Primarschule sind die Kinder beim Eintritt in die Oberstufe weiss Gott genug alt, um das problemlos zu meistern. In weniger urbanen Gegenden kennt man noch viel weitere Schulwege.

In manchem Buchser mag die Schulfusion auch das Gefühl hervorrufen, sie sei ein Vorbote zur Gemeindefusion. Dabei macht der Gemeinderat nur, was er seit Jahren tut: Keine komplette Gemeindefusion, aber punktuelle Zusammenarbeit, wenn es Sinn macht. Dem «Zukunftsraum Aarau» hat er deshalb auch den Rücken gekehrt.

Die Wahlen sind entscheidend

Angst vor Veränderung ist verständlich. Zwar sind genau genommen die Auswirkungen eines Neins zur gemeinsamen Kreisschule unklarer, als wenn sie angenommen wird. Aber eben, auch bei der Kreisschule gibt es noch einige Fragezeichen. Sagen beide Gemeinden Ja, obliegt die Ausarbeitung der Details – Themen wie Musikschule, Sonderpädagogik oder Teilnahme am Maienzug – der Kreisschulpflege.

Und hier können die Aarauer und Buchserinnen selber bestimmen, ob dem Sack mit der Katz eine zerzauste Trottoirmischung entsteigt oder ein prächtiges Perserbüsi. Denn der Kreisschulrat (Legislative) wird im Herbst vom Volk gewählt und bestimmt danach, wer in der Kreisschulpflege (Exekutive) Einsitz nimmt. Wer also will, dass die neue Kreisschule mit gesundem Menschenverstand gestaltet wird und der mit Budgetkompetenz ausgestattete Kreisschulrat nicht zu viel Geld ausgibt, muss schlicht die richtigen Personen in diese Gremien wählen. Dafür braucht es am 21. Mai ein Ja und bei den Wahlen im Herbst qualifizierte Kandidaten.