Ueli Steck

Warum das Tempo

Ueli Steck auf den Weg auf den Annapurna. Er bestiegt den 8000er auf der Südroute im Alleingang.

Ueli Steck auf den Weg auf den Annapurna. Er bestiegt den 8000er auf der Südroute im Alleingang.

Ueli Steck – er ruhe in Frieden. Vielleicht ist es jener Frieden, den er vermisst, gereizt, gesucht hatte. Den Frieden suchen viele; Steck tat es in irritierendem Tempo. Kaum von einem Rekord zurück, war wieder Unruhe: das Nächste! Oder noch ein Versuch vom Everest zum Lhotse. Trotz Fehlschlägen und einer Beinahe-Steinigung, die schockartig die Kehrseite offenlegte der viel gepriesenen Solidarität unter Bergkameraden. Everest–Lohtse hätte Stecks Masterpiece werden sollen. Dann hätte er endgültig Ruhe, so schien es, abermals umglänzt vom Frieden wie eine Fata Morgana.

Ueli Steck jagte Rekorde, so wurde das erklärt. Dass dabei Rekorde auch neu erfunden wurden, sagte niemand (die Eigernordwand mit Tempo Teufel). Vor Befingerungen einer Speed-Kletterer-Seele werden wir uns hüten. Aber Ueli Steck liess sich willig auch in die Seele blicken, während zahlreicher «Begegnungen» mit Medienleuten. Er klang stets redlich. Das Geheimnis um Stecks Antrieb aber liess sich auch so nicht ergründen. Möglicherweise war dieses Geheimnis auch nicht so tief wie der Abgrund, an dem sich Steck häufig so glückhaft entlanggehangelt hatte.

«Wenn alle Wege verstellt sind», sagte Franz Werfel, «bleibt nur der Weg nach oben.» Oder noch einfacher: «Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind» (Edmund Hillary). Trotzdem ist es während Jahrhunderten keiner Seele eingefallen, wirklich hochzuklettern. Man sagt, das seien halt doofe, stumpfe, abergläubische Gemüter gewesen. Möglicherweise auch nur weise? Wer auf einen Hügel keucht, erlebt dem Wesen nach das Gleiche wie der Gipfelstürmer.

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