Ein Bruder beleidigt seine Schwestern im Familien-Chat auf Whatsapp und wirft ihnen vor, am Suizid des Vaters mitschuldig zu sein. Die Schwestern machen einen Screenshot und gehen zur Polizei. Er wird von der Staatsanwaltschaft per Strafbefehl wegen übler Nachrede verurteilt.

Ein Jugendlicher teilt einen Kinderporno auf einer Online-Plattform. Das FBI macht die Schweizer Bundespolizei darauf aufmerksam. Die Polizei reagiert mit einer Hausdurchsuchung, und die Jugendanwaltschaft informiert im Schulhaus des Betroffenen alle Kollegen über den Vorfall.

Ein junger Mann verschickt an zehn Kollegen einer Whatsapp-Gruppe ein Hinrichtungsvideo der Terrororganisation IS. Ermittler stossen zufällig darauf, als sie das Handy eines Kollegen wegen eines Raserdelikts auswerten. Das IS-Video wird zu einem Fall für die Bundesanwaltschaft.

Die drei Fälle machten «Watson» und die «Schweiz am Wochenende» innerhalb weniger Tage publik. Die Kriminalstatistik zeigt, dass die Zahl der Strafanzeigen zwar insgesamt rückläufig ist, doch Social-Media-Delikte wie üble Nachrede, Pornografie und Gewaltdarstellungen stark zunehmen. Meistens fallen die Betroffenen aus allen Wolken, wenn die Strafverfolgungsbehörden bei ihnen vorstellig werden. Sie hätten nicht gedacht, dass sich die Polizei für ihre Handlungen im virtuellen Raum interessieren könnte. Denn es sei doch nur eine private Familienangelegenheit gewesen oder nur ein pubertärer Spass.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einer Übergangsphase. Virtualität ist zwar bereits Teil unseres Alltags, wird aber immer noch als Parallelwelt wahrgenommen, in der vermeintlich andere Regeln gelten. Die Strafverfahren holen uns auf den Boden der Realität zurück. Sie sind Anschauungsunterricht für den Umgang mit neuen Medien.