Aussenminister Ignazio Cassis hat mit seinen Aussagen über das UNO-Hilfswerk UNRWA ein politisches Bömbchen platzen lassen. UNRWA versorgt rund fünf Millionen palästinensische Flüchtlinge mit dem Nötigsten und bietet Kindern eine Perspektive. Cassis anerkennt zwar diese Arbeit, kritisiert das Hilfswerk dennoch: UNRWA zementiere Probleme des Konflikts zwischen Palästina und Israel eher, als dass es sie löse. Peng!

Diese Aussagen sorgen nun sogar am UNO-Hauptsitz in New York für Ärger. Innerhalb der Vereinten Nationen wird infrage gestellt, ob die Schweiz den Sitz im UNO-Sicherheitsrat noch verdient habe. Sind das nun die weitreichenden Konsequenzen einzelner Worte? Jedenfalls schliessen Kritiker aus Cassis’ Aussagen, dass er unbedarft und naiv vorgehe. Damit könnten sie den Freisinnigen unterschätzen. Denn abgesehen davon, dass Kritiker geflissentlich unterschlagen, dass Cassis die UNRWA durchaus als stabilisierendes Element in einer krisengeplagten Region würdigt, wehrt er sich gegen die Einschätzung, er äussere sich nicht bewusst. Im Westschweizer Radio sagte er, trotz Angriffen von allen Seiten würde er sich wieder so äussern, es gebe keine Tabus. Seine UNRWA- Kritik sehe er als Diskussionsgrundlage. 

Der Aufreger ist weniger, dass es Cassis wagt, eine 70-jährige UNO-Institution zu hinterfragen, als vielmehr, dies öffentlich zu tun. Cassis schert aus, untergräbt die Haltung des Bundesrats. Das ist zwar erfrischend, kommt in der Welt der Diplomatie aber schlecht an. Entweder schlägt die Schweiz also aussenpolitisch einen neuen Weg ein. Oder Ignazio Cassis wird sich öfter mal zusammenreissen müssen – und aufs Maul sitzen.