Zu sehen war da nicht nur ein hochkonzentrierter, adrett gekleideter junger Mann, der kerzengerade im Stuhl sass, sondern auch tausende Herzen und Daumen, die ihm zuflogen. Jeder, der wollte, konnte mit den bekannten Facebook-Emojis seine Stimmung ausdrücken. 

Und diese war nicht nur positiv. Immer wieder gab es auch rote Wut-Smilies für Zuckerberg. Der jüngste Skandal im Zusammenhang mit der Firma Cambridge Analytica hat die Nutzer hellhörig gemacht; sie sorgen sich um ihre Daten. Zuckerberg ging es gestern auch darum, ihnen das Vertrauen zurückzugeben. Seine Entschuldigungen und sein Bedauern über die Fehler im Umgang mit den Nutzerdaten in der Vergangenheit klangen durchaus ernst gemeint. Zuckerberg gelobte Besserung. Gänzlich von neunen Regulierungen wird seine Firma deswegen aber kaum verschont bleiben.

Diese dürften den Datenschutz betreffen, aber auch den Umgang mit Fake-News und Hass-Kommentaren. Wobei Zuckerberg glaubt, dafür bereits eine passende Lösung parat zu haben. Seit dem US-Wahlkampf 2016 konnte die algorithmische Erkennung von Falschmeldungen massiv verbessert werden, lobte Zuckerberg den Fortschritt seines Unternehmens. Und auch Hasskommentare würden bald von künstlicher Intelligenz gänzlich erkannt und gelöscht werden.

Dahinter steckt der Glaube, dass jedes Problem mit Technologie gelöst werden kann. Doch genau diese Vorstellung könnte für Zuckerberg selber zum Problem werden: Denn einzig mit neuen Technologien lässt sich das Image von Facebook nicht wieder ins Positive kehren. Vielmehr muss der Facebook-Gründer zeigen, dass es ihm ernst ist mit der Aussage, dass seine erste Priorität der Vernetzung der Nutzer gälte und nicht den Interessen der Werbekunden.