Letzte Woche begeisterte und verstörte mich eine Dokumentation im öffentlich-rechtlichen US-Fernsehen über den Aufstieg von Donald Trump. «Frontline» heisst das Format, eine Institution in den USA. Der Film – zu finden auf Youtube – ist ein Lehrstück darüber, wie Medien sich selbst zu Marionetten der Politik degradieren, wenn sie nur noch Empörung bewirtschaften, um diese möglichst profitabel auszuschlachten.

Immer wieder sind im Film Szenen zu sehen, wie Trump in aller Offenheit mit den medialen Mechanismen spielt – unter dem Jubel seiner Anhänger. Er feuert eine erste Provokation ab, wartet kurz, bis die roten Lämpchen an den Kameras leuchten, und wendet sich dann an seine Fans mit den Worten: «Schaut, jetzt haben wir sie alle live, CNN, Fox News, alle!» Dann legt er los.

Besonders hängen geblieben ist bei mir ein Satz, den Trump immer und immer wiederholte: «Lasst uns die Macht nicht denen geben, die sich nicht einmal mehr selbst verteidigen können.» Trump meinte das nicht nur auf die politische Konkurrenz gemünzt, sondern auch auf die Medien. Der Film macht sichtbar: Journalisten bekommen das Phänomen Trump in angenehm temperierten TV-Studios oder Newsrooms niemals zu fassen. Dafür müssen sie raus aus der Komfort-Zone, sich riskieren, in den argumentativen Nahkampf steigen.

So gesehen – um jetzt den Bogen in die Schweiz und zum zweiten TV-Ereignis der letzten Tage zu schlagen – muss «Arena»-Moderator Jonas Projer ein Kränzchen gewunden werden. Er hat sich in der viel diskutierten Daniele-Ganser-Sendung aus der Komfort-Zone gewagt, sich einem Meister der Manipulation in den Weg gestellt, alles riskiert – und verloren.
Respekt!