Sprachriff

Von Heilsbringern und Demütigen

Österreichs ‹Messias› an der Schwelle, der Welt jüngster Leader zu sein», schrieb die englische «Times».

Österreichs ‹Messias› an der Schwelle, der Welt jüngster Leader zu sein», schrieb die englische «Times».

Die Wahlen in Österreich zeigen: Auch in säkularen Zeiten sind Heilsbringer gefragt. Als solchen lässt sich gerade der Polit-Jungstar der ÖVP Sebastian Kurz feiern. «Österreichs ‹Messias› an der Schwelle, der Welt jüngster Leader zu sein», schrieb die englische «Times». Vor ein paar Jahren noch mit dem Slogan «Schwarz macht geil» auf Stimmenfang, gab sich Kurz seinerseits betont pietätvoll: Er wolle sich seiner Verantwortung in «grosser Demut» stellen.

Sich auf die christliche Tugend der Demut zu berufen, klingt unzeitgemäss, ist bei Politikern aber gerade in. Auch Angela Merkel forderte nach ihrer Wahlschlappe dazu auf, «gemeinsam demütig zu sein». Das hörte sich wie ein Gebetsaufruf an und sollte vermutlich genau das assoziieren. Ob die Wähler anstelle der Beschwörungsformel nicht lieber eine überzeugende Krisenstrategie gehört hätten, sei dahingestellt.

Sicher ist: Pseudoreligiöser Sprachschwulst hat als Mittel der Emotionalisierung wieder Einzug in die Politik gefunden. Das fängt bei der pathetischen Rede vom christlichen Abendland an und hört bei der Stilisierung von Politikern zu Erlösern auf. Das religiöse Aufladen von Politik ist jedoch wenig nachhaltig. Je grösser die Erwartungen, umso rascher der Sinkflug des Messias. Zurück bleiben, einmal mehr, ein paar Millionen Desillusionierter.

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