Fahrländer

Vom Umgang mit alter Bausubstanz

Mit dieser Visualisierung weisen die Initianten auf die Dimensionen der geplanten Überbauung hin. zvg

Mitten in Brugg will der Stadtrat eine zentrale Verwaltung realisieren mit Stadtbüro, Verkaufsflächen, Büros sowie rund 55 Wohnungen.

Mit dieser Visualisierung weisen die Initianten auf die Dimensionen der geplanten Überbauung hin. zvg

In jüngster Zeit mehren sich Meldungen über den Abriss alter Bausubstanz und den sorglosen Umgang mit historischen Ortsbildern. In der Täter-Rolle nicht selten: die lokalen Behörden. In der Rolle derer, die sich wehren: Bürgerinnen und Bürger. Brandaktuell ist ein Beispiel aus Brugg: Am Rand der Altstadt sollen drei Häuser abgerissen und durch klotzartige, überdimensionierte Neubauten ersetzt werden. Bauherrin ist die Stadt, sie will hier ein modernes Verwaltungszentrum errichten. Wer die Visualisierung betrachtet, in der das Neue über das Alte gestülpt wird, den schmerzen die Augen. Eine Bürger-Petition versucht nun, zumindest eine Redimensionierung der Neubauten zu erwirken.

Ein mutiges Bekenntnis zum Erhalt historischer Bausubstanz lieferte kürzlich die Nachbargemeinde Hausen: Eine ausserordentliche Gemeindeversammlung hat im März den Abriss des 450 Jahre alten Dahlihauses an der Holzgasse verhindert, indem sie dem Verkauf an Private zustimmte. Diese werden das Haus restaurieren. Die Gegner hatten moniert, damit gehe das letzte Bauland an zentraler Lage flöten.

Um ein Haus von (mindestens) kantonaler Bedeutung ging es in Kölliken: Dort sollte die letzte Hochstudscheune im Aargau abgerissen werden und aus der Geschichte verschwinden. Auf dem Areal sollen Mehrfamilienhäuser entstehen. Nun wird der Zeitzeuge andernorts in Kölliken wieder aufgebaut. Die Rolle der Retter gebührt auch hier engagierten Bürgerinnen und Bürgern, der «Initiative gegen den Abbruch der Hochstudscheune» und einer kooperationswilligen Baufirma.

Zu spät kamen besorgte Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Petition zum Erhalt der Villa von Biscuit-Fabrikant Ernst Schnebli an der Haselstrasse in Baden. Das Haus ist weg, die Wunde schmerzt. Besonders bizarr: Es gibt hier keinen Neubau, sondern eine Baustellenzufahrt und später eine Anlieferungszone zur geplanten Shopping-Mall im Postareal. Der Stadtrat begründete das Erteilen der Abbruchbewilligung unter anderem damit, Heimatschutz und Denkmalpflege hätten ja auf eine Beschwerde verzichtet.

Doch Heimatschutz und Denkmalpflege können nicht überall als Feuerwehr eingreifen. Sie definieren Schutzwürdigkeit nach engen, strengen Kriterien. In der primären Verantwortung für den Erhalt historischer Bausubstanz und intakter Ortsbilder stehen die lokalen Behörden. Haben sie aus der Abrisswut der 60er- und 70er-Jahre nichts gelernt? Eine geschichtslose Gemeinde ist eine gesichtslose Gemeinde.

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