Im Radio lief ein «Lied», ein Popsong. Und da war sie auch gleich wieder: die Schwierigkeit, das auf Deutsch «richtig» zu sagen. Polo Hofer, der nun wirklich kein Angeber gewesen war oder ein schlauer Angeber, sagte kaum jemals, er habe «ein Lied» geschrieben; er redete – wie gewohnt stark nasal – von einem «Song».

«Canzone» im Italienischen, das französische «Chanson» bereiten nicht annähernd so viel Unbehagen. Uns stört das Idyllenmalerische, leise ideologische Geschmäckle am «Lied». Kommt dazu: Wer ein «Lied» schreibt, tut irgendwie weniger Bedeutsames als der, der «Songs» schreibt. Wer Lieder schreibt, will mindestens «Liedermacher» sein, das Wort «Songwriter» rückte ihn indes näher noch zum Poet. Trotzdem entpuppt sich mancher «Song» als Trällerei, gewisse Lieder aber entpuppen sich als Preziosen.

Egal, wie man es nennt: Wem es gelingt, ein gutes Lied zu schreiben, der kann sich gut und gern darauf etwas einbilden. Ein Dutzendlied aber peppt man auch mit «Song» nicht auf. Und dann gelingen zwischendurch gar Hymnen, zum Beispiel «We shall overcome». Die bekannteste Version stammt von Joan Baez, die sagt, so was gelinge einmal im Leben. Man darf darum erinnern an Zilphia Horton: Die Bürgerrechts-Aktivistin verdichtete aus verschiedenen Quellen das Lied zur Hymne.