Müsste man Gründe finden, weshalb sich die «NZZ» von ihrem Konzernchef Veit Dengler trennt, lägen sie reihenweise auf der Hand: Sein «NZZ»-Engagement in Österreich floppte. Seine Personalpolitik stand im Ruf der Gspänliwirtschaft. Die Schweiz und ihr Funktionieren schienen ihm fremd zu bleiben. Im Orchester der Schweizer Medienunternehmen spielte die «NZZ» unter seiner Führung die Blockflöte; barock, aber ungehört zwischen lauten Pauken und plärrenden Trompeten.

Welche «strategischen Differenzen», so der gängige Wortlaut, zur sofortigen Trennung geführt haben, ist nicht klar. Umso offenkundiger ist, dass die Probleme der «NZZ»-Gruppe ohne Dengler nicht kleiner, sondern eher grösser werden. Denn nun stehen der Verwaltungsrat und sein Präsident Etienne Jornod im Zentrum der Aufmerksamkeit. Und aus dieser Perspektive relativiert sich, was als Denglers Sündenregister aufgeführt werden könnte.

Der Westschweizer Jornod ist mindestens so umstritten wie der bisherige Konzernchef. Vor zwei Jahren wurde «NZZ»-intern gar aktiv Stimmung gegen seine Wiederwahl als Verwaltungsratspräsident gemacht. Ohne Not hatte er das publizistische Flaggschiff in Turbulenzen geführt, als er frei von politischem Gespür den «BaZ»-Chefredaktor Markus Somm an die Redaktionsspitze der «NZZ» hieven wollte. Für Somm hätte es die Verwirklichung seines Lebenstraums bedeutet; für die Mehrheit der «NZZ»-Redaktoren wäre es ein Albtraum geworden, dessen sie sich mittels gezielter Indiskretion entledigten.

In ihrem Misstrauen sah sich die journalistische Belegschaft gestärkt, als ruchbar wurde, dass der Verwaltungsrat die Personalie Philipp Gut für eine Spitzenposition erwog. Der stellvertretende «Weltwoche»-Chefredaktor wäre wie Somm für einen aggressiven Rechtskurs gestanden.

Dengler, so viel ist bekannt, hat sich aktiv gegen eine «Blocherisierung» der «NZZ» eingesetzt. Mit Denglers Entlassung ist es an Jornod, all jene Lügen zu strafen, die ihm zweierlei unterstellen: Ein rechtes Anlehnungsbedürfnis zu haben sowie kein eigentliches Rezept für die Zukunft des Unternehmens ausser einem forciert vorgetragenen Bekenntnis zur digitalen «Transformation».