Selten zuvor hat die Wahl eines österreichischen Bundespräsidenten für so viel Aufmerksamkeit und Aufregung gesorgt. Gelingt nämlich Norbert Hofer, dem Kandidaten der rechtspopulistischen FPÖ, der Einzug in die Wiener Hofburg, könnte das unser östliches Nachbarland nachhaltig verändern. Es wäre aber auch – und vor allem – ein Signal für all jeneeuropäischen Länder, in denen rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch sind.

Ob in Frankreich, Deutschland oder eben Österreich: Die traditionellen Parteien sind im Niedergang. Sie verlieren Wähler, weil man nicht mehr sein Leben lang sozialdemokratisch oder konservativ wählt. Soziale und materielle Verlustängste beeinflussen die Wähler – Stichworte: Flüchtlingskrise, Globalisierung, EU. Die Bürger wenden sichden Parteien zu, die auf diese diffusen Stimmungen simple Lösungen versprechen.

Das hat die Volksparteien ums Volk gebracht. Und die sogenannten Grossen Koalitionen, die in Österreich oder Deutschland regieren, sind auf einmal gar nicht mehr so gross. Zudem nähern sich die «grossen» Parteien einander in der Mitte an, womit sie am linken (und derzeit vorab am rechten) Rand Platz machen. Neue Koalitionen wie das grün-schwarze Bündnis in Baden-Württemberg werden genauso möglich wie die Wahl eines Rechtspopulisten als Bundespräsident.

Die Stichwahl am Sonntag in Österreich macht deutlich, dass es kein Rezept mehr sein kann, Rechtspopulisten für undemokratisch und damit für unwählbar zu erklären. Vielmehr müssen die einstigen Volksparteien versuchen, von FPÖ & Co. zu lernen: Etwa, indem sie klar zu ihren Positionen stehen.