Kommentar

Virologen und Epidemiologen sind keine Götter: Die Politik darf sich nicht von ihnen allein leiten lassen

Die Politik verlässt sich auf sie: Virologen und Epidemiologen, die das Coronavirus und deren Verbreitung erforschen. (Symbolbild)

Die Politik verlässt sich auf sie: Virologen und Epidemiologen, die das Coronavirus und deren Verbreitung erforschen. (Symbolbild)

Wer regiert die Schweiz? Die Experten aus der Medizin haben im Corona-Zeitalter viel Einfluss auf den Bundesrat. Dass er auf diese hört, ist richtig - doch es gibt noch andere Wissenschafter, deren Wissen ebenso wichtig ist.

Virologen und Epidemiologen seien die neuen «Stars» - und sie hätten zurzeit zu viel Macht. Diese These stellen Wirtschaftsvertreter wie Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz in den Raum. Sie kritisieren, der Bundesrat folge blind den Empfehlungen dieser Forscher – und sehe nicht, wie gravierend die wirtschaftlichen Folgen seines Handelns seien.

Mag sein, dass der Bundesrat die Öffnung der Wirtschaft zu zögerlich angeht. Doch dass die Politik auf die Wissenschaft hört, ist richtig. Wissenschafter gibt es aber nicht nur in der Virologie und Epidemiologie. Zurzeit wäre beispielsweise auch das Wissen von Ökonomen, Psychiatern und Verfassungsrechtlern besonders wichtig. Sie scheinen weniger Gehör zu finden, und das ist falsch. Wenn nun der Weg aus dem Lockdown beschritten wird, sollte die Politik ihre Entscheide ganzheitlich treffen – und sich etwa vor Augen halten, dass Firmenkonkurse und Massenarbeitslosigkeit zu Depressionen und gar zu Suiziden führen können.

Die eindimensionale Fokussierung auf Virologen und Epidemiologen ist auch darum ein Fehler, weil diese zu Covid-19 oft noch keine gesicherten Forschungsergebnisse haben. Entsprechend widersprüchlich sind ihre Einschätzungen – etwa zur Frage, wann die Schulen für welche Altersgruppen öffnen sollen. Eines ist klar: Wissenschafter liefern die Fakten, die Politiker treffen die Entscheide. Und die Politiker werden dafür auch die Verantwortung übernehmen müssen.

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