Zinsbereinigte Gewinnsteuer, Patentbox, Dividenden-Teil-besteuerung – das sind einige der Instrumente, welche den Kantonen zur Verfügung stehen, um die Ausfälle bei einem Ja zur Unternehmenssteuerreform zu kompensieren.

Es wäre eine masslose Überforderung, von der Stimmbevölkerung zu erwarten, dass sie diese Begriffe versteht. Um so wichtiger ist es für die Befürworter, die Bevölkerung zu überzeugen, dass die Reform nötig ist und Vorteile bringt. Im laufenden Abstimmungskampf zählen weniger die komplizierten Steuerinstrumente, als die Glaubwürdigkeit der Vertreter von Ja- und Nein-Lager.

Negativ wirken sich im Wettstreit um das Vertrauen der Stimmenden im Aargau zwei Faktoren aus. Erstens das Versteckspiel der Regierung, die nicht sagen will, wie hoch die Steuerausfälle sein werden, und ebenso wenig, wie sie die fehlenden Einnahmen wieder hereinholen will. Zweitens ein prominenter Abweichler wie SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati, der mit seinem Leserbrief aufzeigt, dass es auch im rechtsbürgerlichen Wirtschaftslager durchaus Zweifel an der Vorlage gibt.

Ob die Vorbehalte und Annahmen von Gallati zutreffen, lässt sich nicht beurteilen, weil die Regierung sich weigert, vor der Abstimmung ihre Absichten publik zu machen. Dass die Aargauer Regierung – im Unterschied zu anderen Kantonen – ihre Pläne geheim hält, ist eine Risiko-Strategie.

Der Regierungsrat setzt darauf, dass der Stimmbürger ihr praktisch blind folgt und die Steuerreform annimmt. Doch wer nicht weiss, wie sich dies auswirkt, ist unsicher – und wer unsicher ist, sagt tendenziell Nein.