Der Kanton Aargau gehört schweizweit zu den Kantonen, in denen am wenigsten Fälle von Menschenhandel aufgedeckt werden. Das wirft Fragen auf, denn immerhin gehört er zu den Top 5 mit der grössten Anzahl an Erotikbetrieben. Die Polizei begründet die geringe Aufklärungsquote damit, dass nicht genug Personal zur Verfügung stehe. Sprich: Andere Delikte sind wichtiger. Den meist jungen Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, hilft diese Begründung nichts.

Immerhin, der Kanton will sich bessern.

Es gibt konkrete Ansätze, wie er den Menschenhandel bekämpfen will: Polizei, Migrationsamt und andere Behörden wollen gemeinsam vorgehen. Ein neues Postulat im Grossen Rat setzt zusätzlich Druck auf.

Wichtig ist jetzt, dass der Aargau sich zu keinem Schnellschuss verleiten lässt.
Um gegen Menschenhandel vorgehen zu können, braucht es Zeit und Fingerspitzengefühl. Restriktive Kontrollen nützen wenig. Es muss den Ermittlern gelingen, dass Vertrauen der Opfer zu gewinnen.

Nur so können sie herausfinden, wer im Kanton Aargau die Strippenzieher sind.

Opferschutz spielt eine wichtige Rolle: Frauen werden nur kooperieren, wenn sie keine Angst vor Racheakten haben müssen. Der Kanton Solothurn kann ein Vorbild sein. Er setzte zwei Jahre lang ein Team aus Spezialisten ein und konnte in dieser Zeit grosse Erfolge verzeichnen. Niemand würde behaupten, dass der Kanton Solothurn unsicherer geworden sei, nur weil Ressourcen für die Bekämpfung von Menschenhandel freigemacht wurden.

rebekka.balzarini@azmedien.ch