Hand aufs Herz, hättest Du, liebe Leserin, lieber Leser, es gerne, wenn man Dich im Laden mit Du ansprechen würde? Genau das passiert in den neuen Coop-to-go-Filialen – der erste im Aargau steht seit April im Metroshop Baden. Manch ein Kunde dürfte ob der direkten Anrede den Laden wieder irritiert oder verärgert verlassen haben.

Zu Recht: Man braucht kein Traditionalist zu sein, um auf einem «Sie» beim Einkaufen zu bestehen. Das «Du» solle den Umgang mit dem Kunden unkompliziert gestalten, erklärt Coop – wohl in Anlehnung an den englischsprachigen Raum, wo man sich mit «you» anspricht. Doch zu Recht empfinden wohl nicht wenige das «Du» viel eher als anbiedernd und respektlos.

Genau umgekehrt verläuft die Entwicklung zurzeit in einigen Zürcher Kinderhorten, wo Kinder ihre Betreuerinnen ab diesem Schuljahr nicht mehr mit «Du», sondern mit «Sie» ansprechen müssen. Begründet wird diese Änderung damit, dass der Hort immer näher zur Schule rücke.

Mit anderen Worten: Es leuchte nicht ein, weshalb Kinder am Vormittag ihre Lehrer siezen, ihre Erzieherin am Nachmittag dann aber duzen. Und mit dem «Sie» würden Kinder und Jugendliche den Umgang mit Erwachsenen besser lernen, weil es keinen Unterschied mehr gäbe.

Als ob Kinder zwischen Schule und Hort nicht unterscheiden können. In Letzterem verbringen die Kinder – zwar betreut – ihre Freizeit, was eher für ein ungezwungenes Umfeld spricht. Es braucht hier bestimmt kein «Sie», damit Kinder Respekt vor Erwachsenen lernen. Oder sehen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, das etwa ganz anders?