Sprachriff

Vergittert der # Hashtag das Denken?

Der Hashtag.

Der Hashtag.

Ein Zeichen signalisiert Debatte – #, der Hashtag. Aber es beeinflusst Debatten auch.

Der Wichtigmarker ist inzwischen elf Jahre alt und hat einen erstaunlichen Lauf hingelegt. Im letzten Jahrzehnt hat jedes Thema, das Debattenstatus erringen wollte, den Hashtag gebraucht.

Darüber machen sich cool gebliebene Kulturwissenschafter Gedanken. Etwa Andreas Bernard in Berlin. Er stellt fest: «Der Hashtag kann Debatten beeinflussen»; also nicht nur bündeln und binden, wie er das verheisst. «Der Hashtag hat eine machtvolle Filterfunktion», sagt Bernard, «er fordert dazu auf, durch Gebrauch des Zeichens Debatten einzuführen, daran teilzunehmen und sie zu verstärken.» Und weil auch hier – wie bei nahezu allen öffentlichen Contentblasen der Postmoderne – das Medium die Botschaft ist, setzte Bernard über seine Erkenntnisse den Buchtitel «Das Diktat des # Hashtags» (Fischer-Verlag).

Eine Zahl hat auch den Wissenschafter selbst verblüfft: 98 Prozent der Beiträge zum Hashtag, sagt Bernard, «kommen entweder aus der Welt des politischen Aktivismus oder aus dem Marketing.» Das Wort hinter # nehme sofort Warenform an: «Der Weg zum Marketing ist damit vorgezeichnet.» In Kürze heisst das: Man liest in den modernen Medien kaum mehr völlig Freies, etwas ohne beigemengtes Marketing.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1