Kommentar

Väter, und wie machen wir es ab Woche drei?

Nach zwei Wochen wieder ins Büro: Das wird auch für die Väter schwierig.. (Symbolbild)

Nach zwei Wochen wieder ins Büro: Das wird auch für die Väter schwierig.. (Symbolbild)

Ein paar kritische Worte zur Abstimmung über die Einführung eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs.

Kompromisse sind eine feine Sache. Oft. Aber nicht immer. Der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub ist ein klassischer Fall einer lauwarmen Zwischenlösung à la Helvetia.

Einer, der das Portemonnaie sämtlicher Steuerzahlerinnen und Steuerzahler angreift, ohne dass man so genau weiss, was das jetzt bringen soll.

Sicher ist es richtig und wichtig von der Eidgenossenschaft, mit Hochdruck und ohne Unterlass in alle Richtungen zu überlegen, wie neue, gleichberechtigtere Familienmodelle auch in unserem Land umsetzbarer und attraktiver werden. Für dieses Ziel brenne ich Feuer und Flamme, und es schmerzt, dass die Schweiz im internationalen Vergleich in diesen Fragen oft so hinterherhinkt.

Stets geht es nur in Bibelischritten voran

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist nun schon ein paar Jahre in der Verfassung verankert. Dennoch geht es mit dem Thema stets nur in Bibelischritten voran. Was immer wieder bemühend ist.

Es ist für Mütter weiterhin viel zu schwer, neben der Produktion von ausreichend Nachwuchs für den Fortbestand des Landes beruflich auf einen grünen Zweig zu kommen. Nun rufen plötzlich gefühlt alle jungen Väter Zeter und Mordio nach diesen zwei Wochen, um ... Ja, was denn?

Die meisten Väter bemühen sich in den Kreisssaal - ein Fortschritt

Es ist wirklich, wirklich lobenswert, dass sich mittlerweile die meisten Väter in den Kreisssaal bemühen, um ihren Partnerinnen dabei zuzuschauen, wie sie Babys aus ihrem Bauch drücken, die sie 9,5 Monate lang mit sich herumtrugen. Es ist auch sehr toll, wenn Väter nach der Geburt genug Bondingzeit mit dem Neugeborenen verbringen können. Vorzugsweise Haut an Haut auf dem nackten Oberkörper, wegen des Geruchs.

Auch Wickeln, Posten und der erholungsbedürftigen Wöchnerin jede erdenkliche Unterstützung zukommen zu lassen, sind superhehre Aufgaben. Bisher kann mir jedoch niemand schlüssig erklären, was zwei Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub so ganz generell zur Verbesserung der Sache der Frau beitragen sollen. Und auf den Einwand hin, dass damit ja vor allem Vätern geholfen werden soll, sage ich: Eben genau.

Der psychologische Effekt der zwei Wochen wird überhöht

So unermesslich gross schien mir das Leiden der Männer, die vier bis sechs statt sechs bis acht Wochen Ferien bekommen im Jahr, wo ihre Frau ein Baby austrägt und zur Welt bringt, bisher nicht zu sein. Der psychologische Effekt dieser zwei Wochen auf Familie und Partnerschaft wird in meinen Augen überhöht.

Ich wünschte, der Tanz der vergangenen Jahre um diese zwei Wochen würde von den jungen Vätern im Parlament im gleichen Rahmen auch nur ein einziges Mal um echte Frauenanliegen wie bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den entscheidenden Berufsjahren vollführt.

Im Grunde ist es doch so: Väter wie Staat und Gesellschaft werden auch Opfer bringen müssen, um Frauen innert nützlicher Frist ein faires berufliches Fortkommen trotz Muttersein zu ermöglichen. Der Lohn dafür werden gesunde Unternehmen und glücklichere, da ernstgenommene, Frauen sein – und damit auch glücklichere Kinder. Das müsste im Interesse aller sein.

Der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub ist ein Opfer, das wir alle zusammen brächten, um den Vätern zwei Wochen Zeit mit Baby und Mama zu schenken. Wer damit langfristig glücklicher werden soll, ist höchst fraglich. Was es den Frauen bringen soll, noch mehr. Oder wie viele Male hören Sie eine Mutter sagen: «Wäre er nach der Geburt doch nur zwei Wochen daheim gewesen, um zu posten!»

Ein mehrmonatiges Zeitbudget, das es jungen Familien ermöglicht, ihr eigenes, gleichberechtigtes Modell zu leben, wie sie es für richtig halten. Ohne zwei Wochen nach der Geburt realisieren zu müssen, dass der präsente Vater nichts als ein sehr kurzes Träumlein war.

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