Rund 100 Menschen sterben in der Schweiz jedes Jahr, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten. Das sind rund 100 zu viel.

Das Problem: Nach heutigem Recht dürfen nur jenen Verstorbenen Organe entnommen werden, die der Entnahme explizit zugestimmt haben – zum Beispiel auf dem Spenderausweis. Doch nur in fünf von 100 Fällen ist ein Spenderausweis im entscheidenden Moment auch verfügbar. Das neue Organspenderegister kann da Abhilfe verschaffen.

Viel effizienter als das neue Online-Tool wäre jedoch die Einführung einer Regelung, wie sie fast alle unsere Nachbarländer kennen: nämlich, dass jeder grundsätzlich als Spender gilt, solange er sich nicht explizit dagegen ausspricht. Das fordert beispielsweise CVP-Nationalrätin Viola Amherd.

Gegner dieses Systems der sogenannten «vermuteten Zustimmung» (etwa CVP-Nationalrätin Ruth Humbel) monieren, der Mensch sei doch kein Ersatzteillager und die persönliche Integrität sei über den Tod hinaus zu wahren. Deswegen dürfe niemand ohne Zugeständnis als Organspender gelten.

Die Organspendedebatte spaltet nicht nur Land und Leute, sondern auch die CVP. Dabei zeugt doch nichts mehr von christlicher Nächstenliebe wie die Bereitschaft, selbst mit seinem Tod noch etwas Gutes bewirken zu können.

Dass wir unsere leiblichen Organe im allfälligen Jenseits noch brauchen, ist unwahrscheinlich. Dass sie anderen Menschen das Verweilen im Diesseits verlängern können, ist dagegen evident. 90 Prozent der Schweizer haben ihren Willen aber nirgendwo festgehalten. Ihnen wird im heutigen System die Chance geraubt, das unnötige Leid der anderen zu lindern.

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