Kommentar

Unnötige Berner Kraftmeierei gegen Lokalbehörden

Die Aargauer sind für den Geschmack der Berner zu schnell in Sachen Abstimmungssonntag.

Die Aargauer sind für den Geschmack der Berner zu schnell in Sachen Abstimmungssonntag.

Bern zeigt wieder mal, wo der Hammer hängt. Unter Androhung von Sanktionen verbietet die Bundeskanzlei den Aargauer Gemeinden, an Abstimmungssonntagen ihre Resultate schon vor 12 Uhr mittags zu veröffentlichen. Das Verdikt ist absurd.

Vor allem in kleinen Aargauer Gemeinden, wo die Urnen schon um 10 oder 11 Uhr schliessen, war es bisher Usus, Abstimmungsresultate schon vor Mittag zu veröffentlichen. Diese Handhabung könne das Abstimmungsergebnis anderswo beeinflussen, wo die Urnen noch offen sind, kritisiert nun der Bund und schiebt den Lokalbehörden den Riegel.

Die Begründung ist absurd: Als ob ein Wähler aus Zürich oder Biel noch schnell an die Urne laufen würde, sollte er zufällig vom Wahlergebnis aus Oberhof AG gehört haben. Da geht es doch wohl eher ums Prinzip. Die aus Berner Sicht zu eigenständigen Gemeindeschreiber sollen in ihre Schranken gewiesen werden.

Zur Transparenz: Die AZ und damit ihre Leser profitieren davon, wenn Gemeinden ihre Resultate schon am Sonntagvormittag liefern. Die politisch interessierte Schweiz schaut an Abstimmungssonntagen jeweils gespannt auf den schnellen Aargau und mögliche Trends.

Damit wir die Relationen wahren: Gemeinden, Redaktionen und Leser werden es verkraften, wenn künftig Wahlresultate erst ab 12 Uhr öffentlich werden. Die Befehlsausgabe aus Bern füttert aber leider jenes Klischee, von dem an Stammtischen oft zu Unrecht Gebrauch gemacht wird: Die da oben in Bern schikanieren uns mit unnötigen Vorschriften.

Hinter der neuen Regelung, so die Ironie der Geschichte, steckt ausgerechnet Bundeskanzler Walter Turnherr, auf dem man hier im Aargau sonst so stolz ist.

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