Ein Sportler mit Doktortitel? So aussergewöhnlich ist das nicht. Da wäre zum Beispiel Dr. Steelhammer Wladimir Klitschko. Der mehrfache Weltmeister im Schwergewichts-Boxen promovierte in Sportwissenschaft, was beweist, dass Kampfsport nicht zwingend zu einer weichen Birne führen muss. Oder Dr. med. Roger Berbig, der von 1972 bis 1983 das Tor der Grasshoppers hütete und dann zurücktrat, um als Arzt zu praktizieren. Oder Dr. iur. Claudio Sulser, der ebenfalls für GC im Sturm spielte.

Wieso also nicht auch Roger Federer? Sportlich und finanziell gesehen, überragt er selbst einen Klitschko, von Berbig und Sulser gar nicht zu reden. Spielintelligenz besitzt er auch. Ganz zu Schweigen von seinem Geschäftssinn. Gut, sein Doktortitel wurde ihm gestern von der Uni Basel nur ehrenhalber verliehen. Denn eine Uni hat er im Unterschied zu den Genannten nie von innen gesehen. Oder höchstens als Besucher.

Da geht es ihm gleich wie dem Verfasser dieser Zeilen. Dass Federer aber den Dr. h.c. der medizinischen Fakultät verdankt, ist erklärungsbedürftig. Viel eher hätte die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät auf die Idee kommen können. Die offizielle Begründung, wonach er als Sportler viele Menschen zu Bewegung animiert und damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung leistet, tönt jedenfalls vorgeschoben. Ein 36-Jähriger, der sich trotz aller Blessuren an der Weltspitze seiner Sportart hält, ist für die Hochleistungsmedizin ein ideales Vorzeigeobjekt. Ob nicht das der eigentliche Grund ist?

Egal. Denn vor allem ist die Verleihung der Ehrendoktorwürde ein geschicktes, aber auch etwas durchschaubares Manöver der Uni Basel in eigener Sache. Sich mit einem der grössten Sympathieträger auf Gottes Erdboden zu schmücken, ist beste PR. Dass der Ausgezeichnete Baselbieter ist, kann zudem durchaus als politisches Statement verstanden werden. Schliesslich hat der Landkanton die Uni auf finanzielle Diät gesetzt.

Und schliesslich lässt die Uni beide Basel alt aussehen, die sich in kleinlichen Diskussionen verheddern, ob, wann und in welcher Form dem Tennisstar eine Strasse, ein Platz oder ein Stadion gewidmet werden soll. Dr. h.c. Federer, auf der Lenzerheide und in Dubai lebend, wird die Peinlichkeit mit akademischer Grandezza ignorieren. Seite 23