Über 100 Millionen Christen werden weltweit diskriminiert, bedroht und verfolgt. Wir müssen entschieden gegen Christenverfolgung vorgehen, insbesondere im Mittleren und Nahen Osten.» Das twitterte Österreichs Aussenminister Sebastian Kurz am 12. Dezember. Am Vortag hatte ein Attentäter in der Kirche St. Peter und Paul in Kairo während des Sonntagsgottesdienstes 24 Menschen mit in den Tod gerissen und 35 verletzt, vorwiegend Frauen und Kinder. 

Die Medien berichteten ausführlich über die Bluttat. Aber kaum ein Kommentator stellte das Ereignis in einen grösseren Zusammenhang: Dass nämlich in mindestens zwei Dutzend vorwiegend muslimischen Ländern Christen systematisch verfolgt werden. Denn wer sich mit dem Thema befasst, riskiert, mit der äussersten Rechten, islamophoben Fanatikern oder Evangelikalen in einen Topf geworfen zu werden.

Die Islamisierung erfolgt nicht nur mit friedlichen Mitteln

Der Islam ist die Religion, die sich am schnellsten ausbreitet: von 200 Millionen im Jahr 1900 auf heute 1,6 Milliarden; Christen: von 560 Millionen auf 2,3 Milliarden. Die Islamisierung erfolgt nicht nur mit friedlichen Mitteln. Drei Beispiele: 

  • In Nigeria, mit 185 Millionen Einwohnern Afrikas bevölkerungsstärkstes Land, begehen Banden einer islamistischen Organisation namens Boko Haram seit Jahren horrende Verbrechen mit dem Ziel, im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias einen von Christen «gesäuberten» Gottesstaat zu errichten, der sich später über das ganze Land erstrecken soll.
  • In der Türkei war Anfang des 20. Jahrhunderts rund ein Drittel der Bevölkerung christlich, jetzt noch 0,1 Prozent. Die christliche Volksgruppe der Assyrer beispielsweise hat ein Jahrhundert brutalster Verfolgung hinter sich. Anfang des 20. Jahrhunderts lebte mehr als eine Million von ihnen in einem Siedlungsgebiet in den heutigen Staaten Türkei, Syrien, Irak und Iran. Während des Ersten Weltkriegs wurden nicht nur die Armenier, sondern auch die Assyrer «Opfer grausamer Verfolgung und Vertreibung», wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) schreibt. Das heisst: Mehr als die Hälfte der assyrischen Bevölkerung, eine halbe Million, kam ums Leben – gefoltert, vergewaltigt, gekreuzigt, erschossen, ausgehungert. Noch in jüngster Zeit verliessen «unter ständiger Bedrohung mehrere Zehntausend Assyrer ihre türkische Heimat», heisst es bei der GfbV. Inzwischen leben dort nur noch einige tausend Assyrer.
  • Zwischen 1979 und 2003 litt der Irak unter dem Unterdrückungsapparat Saddam Husseins. Vor dessen Machtergreifung hatten rund 1,4 Millionen Christen im Irak gelebt; nach seinem Sturz zählte man noch etwa die Hälfte. Heute ist in Teilen des Iraks eine systematische Vertreibung der Christen im Gang, durch fanatische Schiiten im Süden, durch fundamentalistische Sunniten und auch durch Kurden. Nach unzähligen Morden, Entführungen, Bombenanschlägen, Brandstiftungen sind in den letzten Jahren nochmals Hunderttausende ausgewandert.

Syrien, Palästina, Ägypten und
die Türkei waren einst christlich

Weshalb zeigen westliche Medien und Politiker wenig Interesse an diesen gut dokumentierten Vorgängen? Gerade was den von Aussenminister Kurz angesprochenen Nahen Osten betrifft,
hat sich in unseren Köpfen das Bild von der «Stammlande des Islam» eingefräst. Als ob Judentum und Christentum ihre Wurzeln nicht in derselben Region hätten. Zudem wird uns permanent unsere Schuld an den Kreuzzügen im Mittelalter und am Kolonialismus eingebläut. Dass viele dieser Gegenden – Syrien, Palästina, Ägypten, die Türkei – christlich waren, bevor
sie von Muslimen erobert und die Christen ausgerottet oder zwangsweise islamisiert wurden, blenden wir aus. 

Signifikant (und gern geleugnet) ist die Tatsache, dass es in erster Linie Muslime sind, die Christen verfolgen. Der libanesische Autor Hisham Melhem, der für den (saudischen) TV-Sender al-Arabiya und die libanesische Tageszeitung «an-Nahar» in den USA arbeitet, redet von einem «Krieg gegen Christen in der arabischen Welt» und vom «Verdämmern des Christentums im Nahen Osten». Dies wird totgeschwiegen aus Furcht, sich dem Vorwurf des Rassismus auszusetzen und in den sozialen Medien mit der moralischen Keule namens «Islamophobie» verbal niedergeknüppelt zu werden.