Das neue Kunstwerk am Badener Cordulaplatz ist heiss umstritten. Die fünf Meter hohe Säule aus Gummi kommt bei vielen Anwohnern und Passanten nicht gut an: «Zu düster!», «Völlig deplatziert!», «Scheusslich!» So lauten ein paar O-Töne zum Kunstwerk. Künstler Kilian Rüthemann wollte nicht provozieren, aber ein Zeichen setzen, über das diskutiert wird. Das hat er zweifelsohne erreicht. Eine schlechte Rolle spielt allerdings die Stadt Baden.

Wieso hat sie nicht frühzeitig über das Kunstwerk informiert? War ihr der eigene Wagemut nicht geheuer? Die Stadt scheint sich vor dem Urteil ihrer Bürger gefürchtet zu haben – das nun umso heftiger ausfällt. Etwas mehr Selbstbewusstsein und ein ehrliches Bekenntnis zur zeitgenössischen Kunst würden der – sonst so weltmännischen – Stadt Baden gut anstehen. Über Geschmack lässt sich streiten. Aber das Objekt ist Teil des Baukredits und wird von Steuergeldern finanziert. Wer zahlt, hat auch ein Recht, ehrlich informiert zu werden. Warum so heimlich, liebe Stadt Baden? Der Wettbewerb wurde 2015 entschieden. Die Mitteilung dazu kam vorgestern. Am Tag nach der Installation des Werks. «Heimlifeissereien» sind selten gut in einer Demokratie.

Und ein Tipp für alle jene, die sich an der Gummi-Säule stören: Kneifen Sie einmal die Augen zu und stellen Sie sich vor, sie sei ein moderner Meilenstein. Vielleicht sehen Sie das Werk dann in einem anderen Licht. Man sollte nicht vergessen: Der Schulhausplatz ist in erster Linie die meistbefahrene Strassenkreuzung im Aargau. Auch wenn uns Kanton und Stadt versprechen, es gäbe hier bald eine idyllische «Verweil- und Flanierzone».