Bist du ein Migros- oder ein Coop-Kind? Diese Frage kommt im privaten Gespräch rasch auf, wenn es in der Schweiz um Einkaufsgewohnheiten geht. Die Frage bringt die Situation im Detailhandel kurz und knapp auf den Punkt. Im ökonomischen Jargon ist von einem Duopol die Rede: Zwei Firmen teilen einen Markt praktisch unter sich auf. Von einem wirtschaftlichen Idealzustand ist der Schweizer Detailhandel damit weit entfernt.

Für die Hersteller von Markenartikeln verschärft sich die Situation zusätzlich. Migros setzt historisch begründet stark auf Eigenmarken. Damit bleiben Coop und einige wenige Händler wie Lidl oder Manor übrig. Doch wer die wirklich grossen Mengen umsetzen will, kommt um Coop nicht herum. Und nun wollen die Basler ihre eigenen Marken sogar ausbauen.

Die Schweiz ist für Nestlé, Coca-Cola, Emmi und Co. damit ein hartes Pflaster. Doch eine rasche Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Das Duopol ist historisch gewachsen. Viele Anbieter wie Epa, Pick Pay oder Denner sind verschwunden. Die Wettbewerbshüter haben keine dieser Übernahmen verboten. Offenbar fand die Behörde nie ausreichend Gründe, um die Zukäufe zu unterbinden. Selbst wenn die Gesetze dereinst verschärft würden, am Duopol aus Coop und Migros wird dies nichts mehr ändern. Selbst der Markteintritt von Aldi und Lidl vermochten die Situation nicht grundsätzlich zu verändern.

Letztlich müssen sich die Markenhersteller auch selber an der Nase nehmen. Mit ihren Preisforderungen haben sie sich bei den Detailhändlern unbeliebt gemacht. Zwar ist unklar, wer der Gute und wer der Böse ist in diesem Spiel. Jedoch haben es die Markenhersteller nie geschafft, glaubhaft den Vorwurf zu widerlegen, die hohe Schweizer Kaufkraft abzuschöpfen.

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