Früher war die Schulpflege für die Dorfschule das Mass aller Dinge. Die Schulpfleger galten als Respektspersonen. Und wenn sie am Samstagmorgen den Unterricht besuchten, spürten wir Schüler, wie unser Lehrer leicht nervös wurde. Der Schulpflegepräsident eröffnete mit vaterländischen Worten das Jugendfest. Und wenn er sagte, «Wir brauchen ein neues Schulhaus», dann wurde ein neues Schulhaus gebaut. Später erhielt ich als ziemlich ahnungsloser Junglehrer ohne Diplom eine Stelle, weil der damalige Schulpflegepräsident meinen Vater kannte und ich keine langen Haare hatte.

Aber eben: Das war früher. Heute funktioniert die Volksschule anders. Spätestens seit der Einführung der geleiteten Schule 2003 hat die Schulpflege zunehmend an Bedeutung verloren; einen grossen Teil der Aufgaben haben längst die Schulleitungen übernommen. Eine deutliche Mehrheit der Schulleitenden hat kürzlich in einer Umfrage erklärt, ihre Arbeit wäre ohne Schulpflege und mit direktem Kontakt zum Gemeinderat erheblich einfacher.

Nun will der Regierungsrat die Schulpflegen abschaffen. Damit kommt er den meisten Schulleitenden und vielen Gemeinden entgegen; der direkte Kontakt zwischen Schulleitung und Gemeinderat wird zur Regel.

Doch die Schulpflege erzeugt auch Emotionen, ist in der Bevölkerung verankert: Man wählt die Leute selber aus, die sich um die Schule kümmern. Deshalb ist es gut, dass die Aargauerinnen und Aargauer im Mai 2020 über die Zukunft der Schulpflege abstimmen können.