Kommentar

Trump sägt am Ast, auf dem er sitzt

Die Bilanz zu Trumps Amtsjahr fällt durchzogen aus.

Die Bilanz zu Trumps Amtsjahr fällt durchzogen aus.

Seit einem Jahr ist Donald Trump Herr im Weissen Haus. Die Bilanz fällt durchzogen aus. Der Kommentar.

Ein Landesvater sieht anders aus. Nach einem Jahr steht fest, dass Präsident Donald Trump in seinem Amt nicht wachsen wird. Stattdessen agiert er weiterhin wie ein impulsgesteuerter Egomane, der noch nie eine Regel gesehen hat, die er nicht brechen kann. So torpedierte der Republikaner am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter die Versuche seiner Parteikollegen im Parlament, genügend Stimmen für die Verabschiedung eines temporären Ausgabenbeschlusses zusammenzukratzen. Zuvor war der Präsident ausgerechnet von seinem Stabschef als «schlecht informiert» bezeichnet worden.

Dieses Chaos ist schlecht – schlecht für das Ansehen der Weltmacht USA, schlecht für die politischen Institutionen und schlecht für den gesellschaftlichen Kitt im Land. Vor allem aber ist dieses Durcheinander schlecht für den Präsidenten. Denn Trump zerstört mit seinen Impulsen das Vertrauen, das ihm seine Anhänger entgegenbringen. Letztlich torpediert er damit also sein eigenes politisches Programm. Von dieser Agenda kann man halten, was man will. Tatsache aber ist, dass Amerika eine demokratische Republik ist und die Republikaner im Herbst 2016 sowohl das Weisse Haus als auch die Mehrheit in beiden Parlamentskammern gewonnen haben und deshalb die Regierungsverantwortung tragen.

Früher oder später wird Trump für sein Verhalten die Quittung bekommen – sei es von der aufgebrachten Bevölkerung oder von hartnäckigen Ermittlungsbehörden, die untersuchen, ob der zügellose Präsident gegen Bundesgesetze verstossen hat. Die eigentliche Kraftprobe steht den USA also erst bevor.

renzo.ruf@azmedien.ch

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