Donald Trump hat sich diese Woche offenbar
selber gegoogelt und dabei Dinge über sich gelesen, die ihm nicht gefallen. So ist der Angriff zu erklären, den er auf Google lostrat. Er warf dem Konzern
auf Twitter Manipulation vor und kündigte Konsequenzen an. Die Suchmaschine würde fast nur Links zu negativen Artikeln über ihn anzeigen, klagte der Präsident. Google kontrolliere, was wir sehen könnten und was nicht.

Auch wenn die «Beweise», die Trump später in einem Video präsentierte, nicht stichhaltig sind, so legt er den Finger doch auf einen wunden Punkt. Die Macht von Google ist gefährlich, bestimmt doch der Suchmaschinist zu einem grossen Teil, welche Informationen wir zu Gesicht bekommen. Denn in der Regel klicken die Menschen bei einer Websuche nur auf die ersten Links der Trefferliste. Wie der Algorithmus aber funktioniert, der darüber bestimmt, wie weit oben ein Treffer erscheint, ist das Geschäftsgeheimnis von Google. Bekannt ist lediglich, dass über 100 Faktoren dafür einbezogen werden – unter anderem auch nutzerbezogene Kriterien.
Das führt dazu, dass die Suche personalisiert ist und nicht jeder dieselben Resultate erhält. Auf
diese Weise entsteht auch die sogenannte Filterblase, in der sich Internetnutzer befinden, wenn
sie nur noch Artikel angezeigt bekommen, die ihrer politischen Gesinnung entsprechen.

Bei Trump stellt sich nun natürlich die Frage, warum er bei seiner Websuche nicht nur auf Beiträge seiner konservativen Lieblingsmedien «Fox News» und «Breitbart» gestossen ist: Entweder die Filterblase ist «Fake News» oder zumindest ihr Effekt doch nicht so gross wie lange angenommen (für Letzteres gibt es tatsächlich immer mehr Indizien). Oder aber Donald Trump liest doch regelmässig die «failing New York Times» und «Amazon Washington Post».

raffael.schuppisser@schweizamwochenende.ch