ABB hat viel vor. Das Stromnetzgeschäft, historisch gesehen das Herzstück, muss der Industriekonzern von den anderen Divisionen loslösen. Die gesamte Organisation soll umgekrempelt werden. Damit einhergehen soll, wie gestern bekannt wurde, ein kultureller Wandel, der bis zu fünf Jahre dauern wird.

Verwaltungsratspräsident Peter Voser hatte also ohnehin viel Arbeit vor sich. Nun trennt der 61-Jährige sich auch noch von Ulrich Spiesshofer, seinem erfahrenen CEO, und übernimmt den Posten vorübergehend selbst. Ist der neue Chef einmal da, ist er ein Neuling inmitten eines fundamentalen Wandels.

Da kann man sich schon fragen, was Voser geritten hat, auf die Erfahrung von Spiesshofer zu verzichten. Eine Antwort darauf ist jedoch genau in diesem Wandel zu finden. Der neue Chef wird weniger wichtig sein als seine Vorgänger. Die Macht wird nach unten delegiert, zu den Chefs der Divisionen. Dort verfügt ABB nach wie vor über viel Erfahrung. In dieser «neuen» ABB war die Trennung vom Chef verkraftbar. Vielleicht sogar nötig, falls sich Spiesshofer gegen den Bedeutungsverlust stemmte.

Dennoch sind nicht alle Fragen ausgeräumt. Insbesondere die Sinnfrage nicht: Wozu braucht es ABB noch? Was hält die Divisionen zusammen? Eine Antwort darauf gab diese Woche ein neuer Grossaktionär: nichts mehr. Er forderte weitere Verkäufe von Divisionen. Voser wischte dies zwar als «Lärm» vom Tisch. So ähnlich klang es jedoch schon, als der Verkauf der Stromnetzsparte zuerst gefordert wurde.