Medienkonsumenten – Pardon: Medienkonsumierende aus dem Ostaargau wurden in letzter Zeit ziemlich inflationär mit den 13 Buchstaben «Limmattalbahn» eingedeckt. Dabei ging es um verschiedene Strecken und Planungsstände. Ein Ordnungsversuch. (Sorry, liebe Westaargauer – oder heisst es politisch korrekt «Westaargauende»? – ich schreibe auch mal eine Kolumne nur für Euch.)

2015 hat die Bevölkerung des Kantons Zürich Ja gesagt zur Verlängerung der Zürcher Tramlinie 2 von Altstetten nach Schlieren – plus ihrer Weiterführung über Dietikon bis nach Killwangen-Spreitenbach. Vorbild ist die Zürcher Tramlinie, die seit 2010 als Glattalbahn bis zum Flughafen fährt. Während die erste Etappe bereits im Bau ist, wird die zweite Etappe vielleicht nie realisiert: Ausgehend vom Bezirk Dietikon, der das Projekt 2015 abgelehnt hatte («teuer und unnötig»), kam eine Volksinitiative gegen die Fortführung zustande. In vier Wochen findet nun eine zweite Abstimmung statt. Wiederum sind aber alle Kantonalzürcher am Drücker. Es besteht also die Gefahr, dass die Zürcher den Ostaargauern die (Tram-)Zukunft verbauen. Denn hier hat man den Braten gerochen: Die Regierung will mit einem Richtplan-Eintrag die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Limmattalbahn dereinst via Neuenhof und Wettingen bis nach Baden fährt. Mindestens. Oder warum nicht gleich bis ins Siggenthal? Denn auch dort droht akute Verkehrsüberflutung.

Das Limmattal ist punkto öV symbolisch aufgeladen: Vor gut 170 Jahren dampfte hier die erste Eisenbahn der Schweiz von Zürich nach Baden (nicht von Baden nach Zürich, Baden war der Ziel- und Sehnsuchtsort!). Heute ist das weite Tal eine der verkehrsreichsten Strecken des Landes, alle Träger kämpfen mit Überlastungsproblemen. Zielort ist nicht mehr primär Baden, sondern die Metropole Zürich. Aber nicht nur: Auch limmattalintern gibt es zahlreiche Pendlerbeziehungen, denn an vielen Ecken gibt es wichtige Arbeitgeber. Ein Tram mit vielen Haltestellen – von Alt-stetten bis Spreitenbach wären über 20 geplant – wäre daher eine ideale Ergänzung zu Schnellzügen, S-Bahnen, Autos und Bussen.

Nachdem der Dietiker Stadtpräsident kürzlich über Aargauer Auto-Pendler gelästert hat, die seine Gemeinde überschwemmen, fragen wir uns: Weiss man in Dietikon eigentlich, was man will? Am liebsten wohl gar keine Aargauer. Aber nachdem man ihren täglichen Zug gen Osten ohnehin nicht unterbinden kann – wäre da ein kräftiges, freundnachbar- liches Ja zur Limmattalbahn nicht die richtige Antwort?

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik.

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