SVP zu wählen, ist das eine – SVP-Kandidaten jedoch ein Exekutivamt anzuvertrauen, da tun sich Wählerinnen und Wähler ganz offensichtlich schwer. Die Zahlen lügen nicht: Bei Majorzwahlen landen die Vertreter der Gewinnerpartei unverhältnismässig oft auf der Verliererstrasse.

Zu den zwei Seiten der SVP-Medaille: Anprangern, verunglimpfen, sich verweigern ist keine Hexerei und macht selbst über den Stammtisch hinaus Eindruck – zumal auch im Staate Schweiz nicht alles perfekt funktioniert. Doch allein mit Motzen und Ablehnen hätte es die SVP nicht zur Meisterschaft gebracht. Sie versteht es ebenso gut, gesellschaftliche Stimmungen und Entwicklungen vor allen andern aufzunehmen und ungeschminkt zu thematisieren – derweil sich Mitte-Links endlos verbiegt und selbst offensichtliche Missstände schönredet oder zu Tabuthemen erklärt. Der Souverän hat dafür ein ausgesprochen feines Gespür und straft Ignoranz und Schwäche an der Urne postwendend ab.

Ganz anders die SVP-Mannen und -Frauen: Sie treten stark, unerschütterlich und zielgerichtet auf. Zumindest, solange ihnen keine gangbaren Lösungen abverlangt werden. Leider erweisen sich ihre Vorstellungen bei näherer Betrachtung aber nicht immer als praxistauglich. Und exakt an diesem Punkt setzt das feine Gespür der Wählerinnen und Wähler erneut ein.

Man traut SVP-Vertretern einiges zu. Jedoch längst nicht allen, dass sie die Welt als Ganzes sehen, Verantwortung übernehmen wollen und fähig sind, in einer Kollegialbehörde errungene Entscheide mitzutragen. Die SVP jammert nur halbherzig, dass sie in Exekutiven untervertreten ist. Das passt zur Doppelstrategie.

theodor.eckert@azmedien.ch