Die Betreiber der Zürcher Trams sind Schlaumeier. Um zu den Billetten zusätzliche Einnahmen zu generieren, pflastern sie die Tramwagen mit Werbung zu. Bei manchen Sitzen in den modernen Cobra-Trams hängen kleine Kartonplakate den Passagieren direkt vor der Nase. Es gibt kein Entrinnen vor den Warnungen der Alkoholprävention oder der Aufforderung zum Tanzunterricht. 

Die meisten Zürcher ertragen die kommerziellen Aufdringlichkeiten geduldig. Schliesslich landen die Einnahmen durch die Plakate bei der öffentlichen Hand und entlasten damit die Portemonnaies von Billettkäufern und Steuerzahlerinnen. In letzter Zeit wurde es aber einigen zu viel. So konnte man im Tram subversive Strategien gegen die Werbung beobachten. 

Passagiere, die sich während der Fahrt weder über ihren Gin-Tonic-Konsum noch ihre Tanzkünste Gedanken machen wollen, heben die Kartonplakate aus den Befestigungsklammern, drehen sie um 180 Grad und hängen sie mit der unbedruckten Hinterseite nach vorne wieder auf. Neulich wurde ein Vater beobachtet, der die weisse Rückseite zusammen mit seiner Tochter mit Filzstiften bemalte. Allerdings sind die Schlaumeier von den Verkehrsbetrieben schon einen Schritt voraus. Manche Plakate sind doppelseitig bedruckt. Es bleibt nur: einfach abhängen.