Die Sprache zerteilt die Welt. Sie «verwortet» sie. Sie unterscheidet nicht, denn dann könnte man argumentieren, warum ein bestimmter Teil der Welt ein Wort kriegt und ein anderer nicht. Sie ist völlig willkürlich vorgegangen – in grauer Vorzeit, so scheint uns. 

Ich hätte gerne ein Wort im Deutschen, das den Geschmack von frischem Ruchbrot beschreibt. Wir haben «chrösch» in der Mundart, das beschreibt das Mechanische, das Beissen, aber für den Geschmack kommt mir nichts in den Sinn. Vielleicht ist das sogar ein allgemeines Gesetz. Für mechanische Vorgänge haben wir mehr Wörter zur Verfügung als für Geschmacksempfindungen. Die sind ja, wenn wir den Fachleuten glauben wollen, auf ganz komplexe Weise zusammengesetzt. Und wir kennen das von den Weinexperten. 

Man kann aber auch der Welt Gewalt antun mit der Wahl der Worte. Ich will niemandem zu nahe treten, aber das «Beamtendeutsch» mit den unendlichen Substantivierungen, den vielen Vorgängen, die man mit der Endung «-ung» endlich in eine Schublade versorgen kann, ist Gewalt pur. 

Man verdinglicht die Welt, wenn man die Substantive liebt (vor allem die, die es nicht gibt die und man erfinden muss – mit heimlicher Freude). Unnötige Ordnung.