Die Zahlen von Alpiq und Axpo haben schockiert, ein Grossteil ihrer Substanz ist vernichtet. Dabei sind diese Unternehmen letztlich Teil des Volksvermögens. Praktisch sämtliche Schweizer Kraftwerke gehören über kafkaeske gegenseitige Verflechtungen den Kantonen und Gemeinden; Aktionäre sind namentlich auch die Pensionskassen, also ebenfalls wieder die Bürgerinnen und Bürger.

Das Debakel verursacht hat eine unbedachte Strompolitik. Im Nachgang von Fukushima hatten Deutschland und die Schweiz überhastet den Atomausstieg beschlossen und die Energiewende ausgerufen, das Ende der Atomenergie. Kein anderes Land ist uns und den Deutschen gefolgt, durchaus verständlich: Die Reaktorkatastrophe in Japan basierte ja nicht auf technischen Fehlern oder Mängel. Bekanntlich hatten die Betreiber schlicht die historisch nachweisbare Tsunamigefahr ignoriert und die Atommeiler zu nahe ans Meer gebaut. Ein vergleichbares Risiko besteht in Zentraleuropa nicht.

Als Folge der Energiewende sind Kernkraftwerke in Deutschland stillgelegt und Dreckschleudern in Form von Braunkohlekraftwerken wieder hochgefahren worden. Zusammen mit dem Ausbau alternativer Energien und vor allem den in Deutschland absurd hohen Vergütungen von Solar- und Windenergie, die erst noch an eine Abnahmeverpflichtung gekoppelt sind, ist so eine Überproduktion entstanden, welche den europaweit gültigen Grosshandelspreis auf zwei Eurocents gedrückt haben. Zu diesem Schleuderpreis sind nicht einmal mehr die Kapitalkosten gedeckt, weder bei Kohle- oder Gaskraftwerken noch schon gar nicht bei den kapitalintensiven Wasserkraft- oder Kernkraftwerken.

Fazit: Statt auf saubere Wasserkraft oder Kernkraft zu setzen, produzieren Deutschland und Ostländer mit CO2-Boostern Billigstrom, während gleichzeitig massive Subventionen in Wind- und Solaranlagen die Überproduktion und damit den Preiszerfall anheizen.

Grotesk ist die Situation in Deutschland: Mit dem Argument der Versorgungssicherheit verbietet der Staat den Betreibern, Braunkohlekraftwerke vom Netz zu nehmen. Einmal mehr greift die Politik in den Markt ein, mit verheerenden Folgen. Hätte man den Markt spielen lassen, aber auch die Stilllegung und das Bereitstellen von Endlagern für die Atomabfälle eingeleitet, hätten nach und nach die Alternativenergien trotzdem Oberhand gewonnen. Den Energiewandel hätte dann – vielleicht etwas verzögert – der Markt bewerkstelligt, ohne dass es zur Vernichtung von Volksvermögen gekommen wäre.

Unter der Vermögensvernichtung leiden Alpiq und Axpo nicht allein. Die beiden grössten deutschen Energieversorger E.On und RWE haben ihre Kraftwerke – zusammengerechnet – allein im letzten Jahr um elf Milliarden Euro abschreiben müssen.

Ob all diesem Geschehen reibt sich der Schweizer Konsument die Augen: Von einer Strompreissenkung hat er noch kaum etwas gesehen. Den deutschen Verbrauchern geht es noch schlechter: Der deutsche Staat wälzt die Einspeisevergütungen für Alternativenergien auf den Strompreis ab, mit der Folge, dass niemand in Europa höhere Strompreise bezahlt als die Deutschen. Mit durchschnittlich umgerechnet etwa 30 Rappen pro kWh ist der Haushaltstrom in Deutschland satte 60 Prozent teuer als in der Schweiz. Das Resultat: Reiche Unternehmer kaufen sich eine Solaranlage, der Staat zahlt eine garantierte Rendite, und der Hartz-IV-Bezüger bezahlt die Rechnung.

Die Idee von Alpiq, Tranchen an ihren Wasserkraftwerken zu verkaufen, läuft aufs Gleiche hinaus. Sollen sich die städtischen Werke an einem unrentablen Fonds von Wasserkraftwerken beteiligen und den teuren Strom ihren Kunden aufs Auge drücken? Wohl kaum.

Als Lösung bleibt für Alpiq wohl nur der Gang zum Staat. Dieser könnte mit Geld zum Nulltarif eine Auffanggesellschaft gründen und die Werke übernehmen. Über die Jahre könnte sich dies als gutes Geschäft erweisen. Denn irgendwann wird auch bei der Politik die Vernunft einkehren und die «Subventionitis» aufhören. Das Investment dürfte sich dann als lohnendes Geschäft entpuppen. Wir kennen das aus der jüngeren Vergangenheit. Die Nationalbank hatte mit den giftigen Subprime-Papieren, welche sie der UBS abgenommen hatte, Milliarden verdient.