Bei der Umfahrung Mellingen steckt der Wurm drin. Erstmals wurde eine Umfahrung in den 1980er-Jahren konzipiert. 2010 nahm ein Projekt mit einer Brücke über die Reuss und einer Umfahrung der Kernzone des Städtchens mit einer Zweidrittelmehrheit die Hürde des Grossen Rates. 2011 gab das Volk an der Urne seinen Segen dazu.

Seither beschäftigt die Umfahrung aber nicht Baufirmen, sondern Gerichte. Dies, weil die Brücke die per Dekret geschützten Reussufer tangiert. Die Nachteile für Fauna und Flora versuchte der Gesetzgeber durch Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen auszugleichen.

Doch alles half nichts: Die Umweltverbände verlangen ersatzweise die vertiefte Prüfung einer Tunnelvariante. Das hat der Kanton inzwischen gemacht. Das Ergebnis: Ein Tunnel würde viermal so viel kosten wie eine Brücke. Und vor 2030 stünde der Tunnel nicht.

Nun kann man argumentieren, es liege ja viel Geld in der Strassenkasse und in Sins und Bad Zurzach reiche es auch für deutlich mehr Kosten. Diese Argumentation hinkt aber insofern, als dort Wohnquartiere tangiert wären, die so geschützt werden. Zu viel Geld ist auch nicht in der Strassenkasse. Denn damit müssen auch der A1-Zubringer Lenzburg, die Südwestumfahrung Brugg, der Pont Neuf in Aarau und weitere Vorhaben (mit)finanziert werden.

Selbst wenn viel Geld da wäre: Der Kanton darf es keinesfalls einfach ausgeben, bloss weil es da ist. Er muss nicht nur Varianten und die Umweltverträglichkeit, sondern auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis seriös prüfen. Die inzwischen leicht angepasste Brückenlösung für Mellingen ist im Zielkonflikt zwischen Naturschutz und Schutz der Menschen akzeptabl. Inakzeptabel wäre eine stattdessen mehrfach teurere Tunnellösung, die frühestens in 13 Jahren überhaupt bereit stünde.