HIV-Virus

Stop-Aids-Kampagne: Haben Sie Sex und reden Sie darüber

Niklaus Salzmann: «Der Umgang mit der HIV-Epidemie in der Schweiz ist eine Erfolgsgeschichte.»

So schlimm die HIV-Epidemie war und in manchen Ländern noch immer ist: Der Umgang damit in der Schweiz ist eine Erfolgsgeschichte. Die Stop-Aids-Kampagne hat nicht nur geholfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sondern auch Sex ins Gespräch gebracht. Als Kondome in Weltformat auf Plakatwänden prangten, konnten sich keine Eltern mehr den Fragen ihrer Kinder entziehen: Was ist das? Wozu braucht man das?

Die Diskussionen führten von Krankheiten zu unterschiedlichen Formen des Sexuallebens, zu Homosexualität, zu Verhütung, die plötzlich nicht mehr nur Frauensache war. Und während in der Kampagne 1989 noch Treue empfohlen wurde, wurde im Folgejahr auf den moralischen Anspruch verzichtet mit Slogans wie: «Anna hat Aids. Wer wirft den ersten Stein?»

Aus kirchlichen Kreisen kam der Vorwurf, mit Kondomen und der Stop-Aids-Kampagne würden unmoralische Lebensweisen gefördert. Doch in Tat und Wahrheit hatten die Macher der Kampagnen schlicht erkannt, dass sie die Realitäten des Sexlebens der Schweizerinnen und Schweizer nicht ignorieren durften. Die Verleugnung wäre für viele Menschen tödlich gewesen.

Inzwischen breiten sich sexuell übertragbare Krankheiten wie Tripper und Chlamydiose aus. Das kann mit denselben Rezepten bekämpft werden wie in den Neunzigern die Ausbreitung des HI-Virus. Dazu braucht es nicht nur die öffentliche Kampagne, sondern erneut auch jede einzelne und jeden einzelnen: Reden Sie über Sex, auch wenns juckt.

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