Die Kantone müssen die international nicht mehr tolerierten privilegierten Steuerregimes abschaffen. Das tut weh. Denn es betrifft 24 000 Firmen, die Zehntausende Arbeitsplätze bieten und jährlich rund 5,7 Milliarden Franken Steuern zahlen. Sollten die Kantone ihre Regimes ohne Gegenmassnahmen abschaffen müssen, würde eine Abwanderung von Unternehmen drohen. Das will der Bund mit der Steuervorlage (STAF) verhindern, über die das Volk am 19. Mai abstimmt.

Damit ist es aber längst nicht getan. Die STAF stellt nur die Instrumente bereit, damit die Kantone ihre Steuerregeln anpassen können. Alle müssen mass- geschneiderte Lösungen finden, um attraktiv zu bleiben. Viele setzen auf massive Gewinnsteuersatzsenkungen, die sie mit sozialen Ausgleichsmassnahmen abfedern, so etwa Solothurn. Ob diese Strategie aufgeht, wenn sich alle gegenseitig unterbieten?

Die Lösung des Aargaus hebt sich deutlich ab. Auch sie birgt ein Risiko. Ist der Aargau noch attraktiv genug, wenn er künftig einen der höchsten Steuersätze hat, weil er ihn aus Geldnot nicht senken kann? Eine starke Reduktion würde allerdings ein Riesenloch in den noch nicht fertig sanierten Staatshaushalt reissen, ohne Garantie, dass das Geld je zurückkommt. Stattdessen soll es hohe Abzüge für Firmen geben, die forschen und entwickeln, womit ihre Belastung bis auf sehr tiefe 11 Prozent sinken kann. Diese pragmatische Vorlage ist aus der Not geboren. Sie wird jedoch von der Wirtschaft mitgetragen. Deshalb könnte sie die Lösung für den Aargau werden.