Dass auch Sportler magersüchtig werden, irritiert extrem. Natürlich wissen wir mittlerweile, wie komplex eine Krankheit wie Anorexie ist. Und dass die Etikettierung «Schlankheitswahn» auch mit dem Beiwort «übertrieben» nicht viel zum Verständnis beiträgt.

Dass Sport nicht gesund sei, wusste schon Winston Churchill. Als man ihn fragte, worin er den Grund sehe, dass er so alt geworden sei – er starb mit 91 –, soll er gesagt haben: «No sports.» Offen bleibt, ob man Churchill auch auf seine Vorliebe für Whisky und Zigarren ansprechen wollte.

Der Idee aber, dass der Sport ein (taugliches) Modell für unsere Gesellschaft abgebe, dürfte Winston Churchill eher nicht abgeneigt gewesen sein. In dieser Idee steckt, dass der Sport unser Bestes offen legen kann. Er zwingt uns dazu, uns maximal auf uns selbst und das Ziel zu fokussieren. Der Wettkampf zeigt endgültig, wie viel einer wert ist. Da zählt (nur) Leistung und Willen.

In dieser Logik ist Doping zwar verboten und zu Recht verpönt. Aber man kann nachvollziehen, dass jemand nachhilft: Er wollte den Erfolg und besser sein als die anderen, aber die Mittel waren halt einfach nicht erlaubt.

Dass Sport – und besonders übertriebener sportlicher Ehrgeiz – den Körper beschädigen kann, nimmt man in Kauf. Die Körpermaschine wird als Mittel zum Erfolg verstanden. Erfolg jetzt – was kümmert mich, was später wird? Aber dass der sportliche Zweck – suche den Erfolg! – auch die Seele angreift, das will nicht in den Kopf. Man übertritt ein Verbot, das einer anderen Logik gehorcht. Besser erklären dürfte dies deshalb der Gedanke, dass das Geheimnis des Erfolgs in der Optimierung besteht. Optimieren des Trainings, der Lebensweise, der Ernährung – und des Selbst.