Stolz sind sie alle: Forscher, Rektoren, Politiker. Bundespräsidentin Doris Leuthard verschickte nur Minuten nach Bekanntgabe der Nobelpreisträger die ersten Glückwünsche an den Schweizer Chemiker Jacques Dubochet. Zu Recht. Doch nach der ersten Freude darf man daran erinnern, dass die Signale aus Bern zuletzt andere waren.

Die Sternstunde des Schweizer Forschungsplatzes kommt pünktlich zur Sparrunde in der Bildung. Bund und Kantone wollen künftig weniger in Schulen und Forschung investieren. Dabei wäre die Gelegenheit gerade mit dem jetzt erhaltenen Rückenwind günstig, dass der nächste Nobelpreis nicht wieder 15 Jahre auf sich warten lässt.

Zwei Dinge sollten dafür zusammenkommen: Damit die Attraktivität hoch bleibt, muss weiterhin in Spitzenforschung investiert werden. China drängt mit aller Macht – und noch mehr Geld – auf den Nobelpreis. Und die Amerikaner sind mit ihren sündhaft teuren Elite-Universitäten ohnehin immer im Rennen. Doch die Schweiz hat einen Vorteil: Bisher wurden Forschungsprojekte dank einem starken Bekenntnis zur Bildung immer langfristig unterstützt. Das ist in den USA anders. Ihre Hochschulen sind öfter auf den schnellen Erfolg aus. Dabei ist eine gesicherte Finanzierung für Forscher aus aller Welt attraktiv. Es wäre ein Fehler, jetzt davon abzurücken.

Zweitens müssen unsere Talente umdenken. Der Nobelpreis sollte ihnen Mut machen. Mut zu Neuem. Mut zum Unkonventionellem. Schon der letzte Schweizer Nobelpreisträger, der Chemiker Kurt Wüthrich, sagte: «Wir brauchen mehr Risiko. Es braucht Forschung, die es bisher nicht gab, etwas ganz Neues. Das fehlt der Schweiz.» Sicherheit vonseiten des Staates, Risiko vonseiten der Talente: Mit dieser Kombination wird es nicht wieder 15 Jahre bis zum nächsten Schweizer Nobelpreis dauern.

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