Kommentar

Spät, aber richtig: Pierin Vincenz wendet mit seinem Rücktritt weiteren Schaden ab

Pierin Vincenz.

Pierin Vincenz.

Pierin Vincenz wollte das FINMA-Verfahren gegen ihn aussitzen. Damit wollte der ehemalige Raiffeisenchef sein letztes Prestige-Amt, das Präsidium bei der Helvetia, retten. Daraus wird nun nichts. Der Druck innerhalb des börsenkotierten Versicherers war am Schluss zu gross.

Gegen Vincenz läuft seit mehreren Wochen ein Verfahren der Finanzmarktaufsicht (FINMA). Die Behörde untersucht Geschäfte aus seiner langjährigen Amtszeit bei der Genossenschaftsbank. Vincenz steht im Verdacht, persönlich bei Firmenkäufen profitiert zu haben. Angestossen wurde die Untersuchung durch einen früheren Bericht, der vom neuen Raiffeisen-Management in Auftrag gegeben wurde. Die Brisanz dieses Berichts veranlasste die FINMA, ein sogenanntes Enforcement-Verfahren zu eröffnen.

Je länger dieses Verfahren dauerte, desto schwieriger wurde die Situation für Vincenz. «In den letzten Tagen ist klargeworden, dass sich das FINMA-Verfahren nicht beschleunigen lässt und damit bis zur kommenden Generalversammlung von Helvetia im April 2018 nicht abgeschlossen sein wird“, sagte Vincenz in einer Erklärung. Als Präsident hätte er sich Ende April zur Wiederwahl stellen müssen. Mit einem hängigen FINMA-Verfahren im Nacken hätte ihm möglicherweise die nötige Unterstützung gefehlt.

Mit seinem späten, aber folgerichtigen Rücktritt wendet er weiteren Schaden ab. Für ihn persönlich, der nun in aller Ruhe auf das Verdikt der FINMA warten kann, und vor allem für Helvetia. Der St. Galler Versicherer lief selbst Gefahr, immer stärker von den Kollateralschäden eines solches Verfahrens betroffen zu werden. „Die anhaltende Unsicherheit (...) hat mich deshalb bewogen, im Interesse des Unternehmens per sofort zurückzutreten. Damit kann Helvetia unbelastet meine Nachfolge planen», erklärt Vincenz. Der Rücktritt von Pierin Vincenz ist also definitiv.

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