Die Zahl der Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger nimmt zu. Das hat mit dem Wachstum der Bevölkerung sowie immer schwierigeren Bedingungen für Schlechtqualifizierte auf dem Arbeitsmarkt zu tun. Es gibt aber auch Bezüger, die das System ausnutzen. Wenn solche Fälle publik werden, gehen die Wogen der Empörung regelmässig hoch.

Dass eine bürgerliche Mehrheit nur noch Personen den vollen Betrag geben will, die entsprechend kooperativ sind, ist deshalb verständlich. Angesichts solcher Fälle geht aber oft unter, dass die weitaus grosse Mehrheit zu Recht Sozialhilfe bezieht und sich redlich bemüht, wirtschaftlich wieder auf eigene Beine zu kommen. Genauso verständlich und berechtigt sind deshalb auch kritische Fragen von links zu einem Systemwechsel.

Wird man dann künftig vom Goodwill des örtlichen Sozialvorstands abhängig? Oder kann man die Kriterien so fassen, dass sich die Lebenslage der Betroffenen wie zum Beispiel familiäre Situation oder Gesundheitszustand sowie etwa die Arbeitsmarktsituation angemessen einbeziehen lässt? Sollen tiefer ausgefallene Sozialhilfezahlungen anfechtbar sein? Wie hoch ist der administrative Aufwand? Solche Fragen müssen erst befriedigend beantwortet werden. Ein Systemwechsel macht nämlich nur Sinn, wenn es danach effektiv weniger Missbrauch gibt. Nur so könnte man mit diesem Wechsel die Akzeptanz des Systems in der Bevölkerung stärken.