Simonetta Sommaruga fährt Mini Cooper. Nach Jahren, da sie sich als Mobility-Kundin mit vielen anderen Personen ein Auto teilte, steuert sie jetzt ihren eigenen Kleinwagen. Die Wendigkeit war bei der Wahl des Autos ein entscheidendes Kriterium, wie die Bundesrätin über ihren Sprecher mitteilte: «Er ist leicht, klein und hat eine gute Bodenhaftung. Ein bisschen Gokart-Gefühl.» Allerdings kommt der Besitz zur Unzeit. Die Stadt Bern strebt gerade eine «spürbare Entlastung des öffentlichen Raums von Parkplätzen» an, wie sie letzte Woche bekannt gab. Die blauen Zonen, wo Anwohner mit Parkkarten ihre Autos abstellen können, sollen weitgehend aus den Quartieren verschwinden. Laut Stadtregierung entspricht das einem Trend: 57 Prozent der Berner Haushalte besitzen kein eigenes Auto. Die Stadt nutzt die freigewordene Fläche viel lieber für die fragwürdige Velo-Initiative: An 200 Standorten sollen 2400 Velos und E-Bikes zur Verfügung stehen.

Ob das den Städtern dient? Abgesehen davon, dass die meisten Berner ihr eigenes Velo fahren und Abstellplätze im Zentrum bereits heute überfüllt sind, besitzen eben auch 43 Prozent der Berner Haushalte ein Auto. Und die blauen Zonen reichen schon heute nicht aus, um diese unterzubringen. Die Situation in den Quartieren zeigt: Die Hälfte der Autos steht ausserhalb der markierten Zone. Dass durch eine weitere Schikane der motorisierte Verkehr aus der Stadt verschwindet, ist Wunschdenken.

Nun gibt es fürs Gewerbe und passionierte Autofahrer einen Hoffnungsschimmer: Wird Sommaruga bei den Genossen im Gemeinderat ein gutes Wort einlegen? Wenn nicht für mehr Parkplätze, dann wenigstens für ein Ende der roten Welle, die die Autofahrer seit Jahren verärgert.

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