Seit 1986 ist Guido Näf Gerichtspräsident am Bezirksgericht Baden, nun wird er pensioniert. Gut möglich, dass es sein Nachfolger, der in einer Woche gewählt werden könnte, dereinst ebenfalls auf 27 Amtsjahre bringen wird.

Denn obwohl die Gerichtspräsidenten jeweils nur für eine Amtsperiode von vier Jahren gewählt werden, können sie sich darauf einstellen, den Job – wenn sie denn wollen – bis zu ihrer Pensionierung auszuüben. Grund: Bei Gesamterneuerungswahlen müssen sie nur antraben, wenn genau ihre Stelle von einem Kandidaten angegriffen wird, was praktisch nie vorkommt.

Nun, es zweifelt niemand daran, dass die Gerichtspräsidenten einen guten Job machen und viel Verantwortung tragen, wofür sie übrigens mit Löhnen zwischen 160'000 und 222'000 Franken auch anständig entlöhnt werden.

Und es trifft ebenso zu, dass es für eine unabhängige Justiz nicht gut wäre, wenn sich deren Richter alle vier Jahre mit Wahlkampf beschäftigen müssten – und schlimmstenfalls Urteile so fällen würden, dass sie in der Gunst der Wähler steigen.

Und doch erscheint es wenig logisch, dass sich Gerichtspräsidenten auf Ende der Amtszeit nicht wieder wählen lassen müssen. Selbst Aargauer Oberrichter müssen sich – auch wenn ihr Sitz gar nicht angegriffen wird – alle vier Jahre vom Grossen Rat bestätigen lassen.

Der Verweis, das wäre bei den Gerichtspräsidenten aufgrund der verschiedenen Jobprofile nicht möglich, befriedigt wenig. Wenn es schon darauf hinausläuft, dass Bezirksgerichtspräsidenten faktisch auf unbestimmte Zeit gewählt werden, dann müsste man sich überlegen, ob es tatsächlich richtig ist, wenn das Volk diese wählt.

Kann der normale Stimmbürger wirklich einschätzen, welcher Kandidat der beste ist? Viel geeigneter wäre ein Wahlgremium wie etwa der Grosse Rat, wodurch eine fundierte Beurteilung der Kandidaten eher gewährleistet wäre.