Nun weiss der Nationale Sicherheitsberater der USA, H. R. McMaster, wie sich Präsidentensprecher Sean Spicer jeden Tag fühlt: von seinem Chef ausgenutzt und hintergangen. Am Montag wurde McMaster in aller Eile vorgeschickt, um einen brisanten Artikel in der «Washington Post» zu dementieren. Und obwohl sich McMaster sichtlich bemühte, während der kurzen Stellungnahme vor dem Weissen Haus seine Integrität zu bewahren, stand der hochdekorierte General bereits am Tag danach mit abgesägten Hosen da. Denn der Präsident höchstpersönlich schien am Dienstagmorgen zu bestätigen, dass sich der zuvor dementierte Vorfall sehr wohl ereignet hatte.

Trump stellte sich auf den Standpunkt, dass er «aus humanitären Gründen» berechtigt gewesen sei, vor dem russischen Aussenminister mit Geheimdienstinformationen – pardon: «Fakten» – zu prahlen, die ein befreundeter Staat im Nahen Osten (die Rede ist in Washington von Israel) über die Terror-Gruppe «Islamischer Staat» (IS) gesammelt hatte.

Und obwohl Aussage gegen Aussage steht, zeigt die Episode einmal mehr, welches Risiko die amerikanischen Wählerinnen und Wähler im vergangenen Herbst eingegangen sind,
als sie Trump zum neuen Staatschef krönten. Erstens scheint sich der ehemalige Geschäftsmann und heutige Präsident immer noch nicht bewusst zu sein, dass seine Wortmeldungen tödliche Konsequenzen haben können. Der Mann ist schlicht und einfach nicht lernfähig.

Und zweitens, vielleicht noch wichtiger: Trump negiert, dass jede seiner Alleingänge eine gleichartige, entgegensetzte Reaktion provoziert. Sollte er seinem Charakterzug treu bleiben, und weiterhin seinem Bauchgefühl folgen, dann riskiert der Präsident einen internen Aufstand und einen Massen-Exodus von Figuren wie McMaster.

Dies hätte katastrophale Folgen für das Weisse Haus, in dem bereits jetzt zwei Gruppen um die Vormacht kämpfen: hier die Trump-Loyalisten, die ihm ständig Honig ums Maul schmieren, und da die Trump-Verächter, die genüsslich die Medien mit knackigen Insider-Informationen versorgen.

So lässt sich ein derart komplexes Land wie die USA nicht führen. Und dies weckt – zu Recht – Angst vor den nächsten vier Jahren.

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