Apropos

So gibts kein Päckli in die RS

Schweizer Tradition: Wer die Rekrutenschule absolviert, erhält von Angehörigen und Freunden «Fresspäckli». (Symbolbild)

Schweizer Tradition: Wer die Rekrutenschule absolviert, erhält von Angehörigen und Freunden «Fresspäckli». (Symbolbild)

Der Deal ist einfach: Wer die Rekrutenschule absolviert, schickt eine Postkarte mit seiner Militäradresse nach Hause. Dafür kriegt er oder sie ein Päckli, vollgepackt mit Gute-Laune-Waren (oder auch anderem). Der Tradition ist nun aber ein digitaler Feind erwachsen: die Gratis-Postkarten-App «PostCard Creator» der Post. Ausgerechnet die Post.

Ein Beispiel: «Schick eine Karte, dann gibt es ein Päckli», sagte ich zum Bruder meiner Freundin, der im Juli in die Rekrutenschule eingerückt ist. Kürzlich lag die Postkarte im Briefkasten. Aber auweia: Es war keine Armee-Karte mit den uralten Notkocher- und Käsefuss-Motiven, sondern ein Selfie, verschickt über die «PostCard-Creator»-App. Doch es war der falsche Absender: Auf der Rückseite prangte die zivile Adresse. Das ist gegen den Deal.

Die Schuld gebührt aber nicht dem Rekruten. Die gefühlt 100-zeilige Militäranschrift hätte im Absenderfeld der App gar keinen Platz gehabt. Und im Textfeld wäre kein Platz geblieben für die Info, dass das Essen fantastisch sei. Wer läuft heute noch mit einer Postkarte zur Militärpost, wenn er sie vom Smartphone verschicken kann? Dafür gibts jeden Tag Smartphone-Freizeit (kein Witz). In der Internet-Viertelstunde kann der Rekrut die Adresse noch nachträglich als Whatsapp-Nachricht übermitteln. Und dann gibts doch ein Päckli.

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