Wieder im Ohr

Singen und fluchen, immer im Frühling

Märzenbecher als Frühlingsboten

Märzenbecher als Frühlingsboten

Da könne man, sagte Markus Somm am Wochenende im Regionalfernsehen, fast wieder gläubig werden. Weil alles spriesse, weil der Frühling so überwältigend sei. Das stimmt. Aber war Somm nicht irgendwie schon gläubig?

Frühling – unumwunden sei er willkommen! So bequem wir inzwischen den Winter überstehen, in seiner Härte nicht wirklich spüren: Werden die Lüfte milder, kriechen wir gleichwohl wie Tiere aus den Höhlen, als hätten wir nicht mehr daran geglaubt, wie mächtig Leben blühen kann. Wir fühlen uns tatsächlich wie Singen.

Einen Fluch hält die Moderne natürlich auch hier bereit: für den Genuss des Frühlings und die Lust, zu singen. Unumwunden – heisst grenzenlos still – dürfen wir gar nichts mehr geniessen. Der Fluch dringt aus geöffneten Autofenstern und aus geöffneten Cabriolets – die Pest miserabler Musik. Wobei nur ein Wort im letzten Satz wirklich genau ist. «Musik» sollte man das pausenlose Grrmpf-Bu-Bumm aus dem Inneren der Kisten nun wirklich nicht nennen. Man kann sich nur wundern, wie sich Leute mit eklatantem Mangel an Geschmack in aller Öffentlichkeit blamieren und sich mit bestürzender Selbstherrlichkeit darin gar noch sonnen.

Gibt es eine Hölle für Akustik-Frevler? Man könnte fast wieder gläubig werden.

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