Fake News, also falsche Informationen, sind nicht eine Exklusivität von Donald Trump oder anderen rechtsgewickelten Populisten. Fake News werden auch von Linken und Grünen und sogenannten Gutmenschen gegen besseres Wissen verbreitet.

So haben die Lehrer meiner beiden Söhne den Kindern eingeschärft, dass man Wasser sparen müsse, weil es zu wenig davon gebe. Die Menschen in Afrika verdursteten, ganze Landstriche drohten wegen Wassermangel zu verwüsten. Stimmt, Afrika leidet unter Wassermangel. Das hat aber leider überhaupt nichts mit unserem Wasserkonsum zu tun. Unser Wasser wird immer und ewig im Überfluss sprudeln. Unsere Wasserwerke müssen jeden Tag Hunderttausende von Litern Trinkwasser in Seen und Flüsse abfliessen lassen, weil nicht zu viel, sondern zu wenig Wasser konsumiert wird.

Das wollen diese Lehrer nicht wissen. Lieber machen sie den Kindern ein schlechtes Gewissen, suggerieren ihnen, dass sie ganz persönlich die Verantwortung tragen für den Wassermangel der anderen und deshalb immer sofort den Hahn zudrehen sollten. Mein Jüngster kam jeweils wie eine Furie ins Badezimmer gerannt, wenn er hörte, dass ich zum Zähneputzen das Wasser fliessen liess. Du verschwendest Wasser, und andere haben keines! Das hat mich an meine Jugend erinnert, wo die Kinder ermahnt wurden, am Tisch schön alles aufzuessen. Denkt an die armen Kinderlein in Korea, die nix zu essen haben! Als ob das Kind in Korea davon profitieren würde, wenn ich meinen Teller leer esse.

Die armen Tiere

Item, das mit dem Wasser wusste ich auch nicht so genau und habe mich deshalb extra beim Chef der Lausanner Wasserwerke erkundigt, woher das Wasser bei uns kommt und wie viel es davon hat. Er versicherte mir, dass es in Überfluss vorhanden sei und bleibe, auch wenn die Gletscher mal ganz zurückgewachsen sein sollten. Das sei meteorologisch erklärbar. Und so weiter. Und übrigens sei nichts so billig wie Trinkwasser: Nicht mal ein Stutz kosten 1000 Liter reinstes Trinkwasser. Am besten lasse man das Wasser beim Zähneputzen fliessen, das sei gut für die Wasserversorgung.

Mein Sohn ist inzwischen älter geworden und interessiert sich nicht mehr für mein Zähneputzen. Glücklicherweise geht er auch nicht mehr in Schullager, wo gewisse Lagerleiter ein neues Thema gefunden haben, mit dem sich die Jugend ebenfalls zu einem schlechten Gewissen erziehen lässt: das Fleisch! Die armen Tiere! Gerade hab ich die Klage von einem Grossvater gehört. Der Enkel – ein völlig normales Kind – sei als Veganer aus dem Schullager zurückgekehrt, die Lehrer hätten ihm schreckliche Videos aus Schlachthäusern und intensiver Viehzucht gezeigt und gesagt. Und das höre erst auf, wenn wir kein Fleisch und keine Eier mehr essen und auch keine Kleider aus Wolle oder Leder mehr tragen.

Propheten des Weltuntergangs

Jetzt ist sein Enkel also Veganer und verweigert Fleisch, Fisch und so weiter zu essen, und die Familie hat ein Problem. Gut, es ist immer noch weniger schlimm, als wenn die Kinder in die Hände von militanten Islamisten geraten, die sie zum Heiligen Krieg überreden. Auch das funktioniert nämlich, wie wir wissen. Beide Beispiele verdeutlichen aber, wie leicht eine intellektuelle Autorität bei Kindern Feindbilder konstruieren und aus Kindern brave Soldaten für die richtige Sache machen kann. Jugendliche sind beeinflussbar und im Glauben stets absolut, greifen also – wenn es für die «gute Sache» ist – auch zum Gewehr.

Religiöse Indoktrinierung ist in der Schule zwar verboten, aber die neuen Religionen – der Veganismus zum Beispiel oder die Religion der Weltuntergangspropheten in Sachen Klima und Umwelt – haben heute offenbar freie Fahrt in Schulen und Schullagern. Das muss gestoppt werden. Die Ritter der Apokalypse sind wieder unterwegs und kündigen an allen Fronten das baldige Ende der Welt an, wie im dunkelsten Mittelalter. Wenn es so weitergeht, dann ist unser Planet futsch, dann hat es keinen Sinn mehr, Kinder auf die Welt zu bringen, sagte mir gerade letzthin ein Mann im Zug. Einfach so.

Diesen Sommer gab es ja nur zwei Themen für oberflächliche Gespräche, das Wetter und das Ende der Welt, am liebsten beides zusammen. Und dass wir schuld sind! Am Wetter und am Ende der Welt. Jetzt wäre ich bald zum Schwarzmaler geworden. Nööö, es gibt immer noch sehr viele vernünftige, kritische junge Menschen, die nicht jeder Denkmode aufsitzen. Zum Glück.