Der Pfarrer hat Andreas Santoni sexuell missbraucht. Vor 40 Jahren. Damals lebte er im Kinderheim St. Benedikt in Hermetschwil. Letzte Woche hat Andreas Santoni seine Geschichte erzählt. Die Verantwortlichen des Kinderheims haben sich entschuldigt.

Sie bedauern, dass die damaligen Verantwortlichen nicht in der Lage waren, die Kinder vor Übergriffen zu schützen. Der Schritt an die Öffentlichkeit ist mutig. Sagen, was Sache ist. Dazu stehen, dass Kinder missbraucht wurden. Es macht das erfahrene Leid nicht ungeschehen. Aber es führt im besten Fall dazu, dass alle genauer hinschauen und Opfer sich vermehrt trauen, ihr Schweigen zu brechen.

Im Gegensatz zur heutigen Heimleitung tut sich der damalige Heimleiter schwer, Verantwortung zu übernehmen. Er versucht, diese allein auf das Benediktiner-Kollegium zu schieben. Fakt ist aber: Der Pfarrer war auch Religionslehrer und 18 Jahre lang im Vorstand des Heims. Es ist deshalb nicht nur wichtig, sondern auch richtig, dass die Heimleitung einen Teil der Verantwortung übernimmt.

Dass sich der damalige Heimleiter von der heutigen Leitung distanziert, anstatt sich hinter sie zu stellen, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Auch wenn von den damaligen Verantwortlichen niemand je etwas erfahren oder gewusst hat, so ist nach den Schilderungen von Andreas Santoni klar, dass Heimkinder sexuell missbraucht wurden. Wird in einem solchen Fall die Verantwortung abgeschoben, ist das genau jenes Verhalten, das dazu führt, dass sexueller Missbrauch ein Tabu bleibt. Und das hilft nur den Tätern. 

Vom Dorfpfarrer sexuell missbraucht: "Ich spüre Gott im Moment nicht mehr."

Andreas Santoni im «TalkTäglich»: «Ich spüre Gott im Moment nicht mehr»

Andreas Santoni wurde jahrelang vom Pfarrer missbraucht. Im Kinderheim St. Benedikt in Hermetschwil. Vor Kurzem wagte er – 40 Jahre später – den schwierigen Schritt an die Öffentlichkeit. Im TalkTäglich erzählt er vom steinigen Weg zurück zu einem glücklichen Leben und davon, warum das Zölibat endlich abgeschafft werden sollte.