«Seien Sie unbesorgt: Wir können die Sicherheit garantieren», sagte Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister, im Juli 2017. Vor dem G20-Gipfel waren Zweifel aufgekommen, ob es eine gute Idee ist, wenn man den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nur einen Steinwurf von der Kurdenhochburg St. Pauli zum Gipfeltreffen einlädt.

«Der G20-Gipfel wird auch ein Schaufenster moderner Polizeiarbeit sein», sagte Andy Grote, Hamburgs Innenminister, im Mai 2017. Es waren Zweifel aufgekommen, ob es eine gute Idee ist, Donald Trump nur einen Steinwurf entfernt vom linken Kiez zum Konzert einzuladen. Der G20-Gipfel wurde schliesslich für die Sicherheitskräfte zum Desaster.

Die Polizei war mit dem Schutz der Staatsgäste derart überfordert, dass ein Stosstrupp vermummter Systemgegner in einem Nobelviertel wüten konnte. Weil von den Krawallanten jede Spur fehlt, versucht es die Polizei nun mit der Methode Brechstange.

Auf Gesuch der verzweifelten Hamburger Kollegen verhafteten Schweizer Polizisten einen jungen Schweizer und durchsuchen öffentlichkeitswirksam das Kulturzentrum Bremgarten. Der Mann und das Kulturzentrum stehen am Pranger. Später zeigte sich: Offenbar liegt gegen den Mann einzig vor, dass er sich in der Nähe des Krawalls umgezogen habe. Nach einer Befragung wurde er freigelassen. Das sind seltsame Einblicke ins Schaufenster der Polizeiarbeit.

Während mutmassliche Aargauer Krawallmacher gnadenlos gejagt werden, sind unsere Nachbarn mit den politischen Verantwortlichen weitaus nachsichtiger. Andy Grote ist immer noch Innensenator von Hamburg. Der sorglose Bürgermeister Scholz hat seinen Posten allerdings mittlerweile geräumt. Er wurde nach Berlin versetzt. Dort ist er nun Finanzminister und Vizebundeskanzler.