Die Staatsanwaltschaft in Zürich eröffnete gestern formell ein Verfahren gegen Pierin Vincenz sowie vier weitere ehemalige Verwaltungsräte und Geschäftspartner wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung. Zum Showdown kam es am Dienstag, als Polizisten in Pierin Vincenz’ Anwesen eine Hausdurchsuchung durchführten. Der Ex-Banker selbst sprach von einem «Schock».

Das harte Durchgreifen der Behörden ist ein Schlag gegen einen der wichtigsten Repräsentanten des Schweizer Finanzplatzes. Das Verfahren kann auch verheerende Folgen für die aktuelle Raiffeisen-Führung haben. Sowohl der amtierende Verwaltungsratspräsident, Johannes Rüegg-Stürm, als auch der Konzernchef der Raiffeisen, Patrik Gisel, werden sich auf schwierige Zeiten einstellen müssen.

Man müsste Pierin Vincenz nämlich schon arglistiges Vertuschungsgeschick nachweisen können, dass er seine engsten Kollegen im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung der Raiffeisen dermassen hätte täuschen können, damit diese von seinen Machenschaften nichts mitbekommen haben.

Die aktuelle Raiffeisen-Führung wird sich auch den Vorwurf der Untätigkeit gefallen lassen müssen. Sie hat es versäumt, eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge in ihrer Bank durchzuführen. Sie gab lediglich drei punktuelle Gutachten in Auftrag, die einzelne Geschäfte beleuchteten und nichts Heikles feststellen konnten. Erst als die Finanzmarktaufsicht Finma einen unabhängigen Prüfbeauftragten in die Raiffeisen entsandte, kam die Sache ins Rollen.

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