Es ist Weihnachtszeit, doch der Aargau hat eine eher schwierige Woche hinter sich. Die Verhandlung vor Obergericht und der vorausgegangene Psychiater-Disput liessen die Gräueltat von Rupperswil nochmals in allen Details hochsteigen (auch damals war Weihnachtszeit). Sodann erfuhr die Öffentlichkeit, dass der Gemeindekanzler von Boswil straffällige Asylsuchende an die Wand stellen und erschiessen möchte. Für den SVP-Gemeindeammann waren diese Facebook-Einträge kein Grund für Sanktionen. Erst auf Druck hin wurde der Kanzler beurlaubt. Ein Leserbriefschreiber hat es «befremdend» gefunden, dass die Medien den Gemeindeschreiber mit Namen und Bild präsentiert haben. Nun, für die Namensnennung bei Vergehen gibt es klare Kriterien. Eines lautet: Wer ein öffentliches Amt bekleidet, hat weniger Anspruch auf Schutz. Abgesehen davon, hat Herr Wicki seinen Vorschlag ja ebenfalls mit Namen und Bild in den öffentlichen Raum gestellt.

Eher bedrückende Meldungen auch aus dem Wirtschaftsbereich: ABB erwägt, sich in der Stromübertragungs-Sparte mit Japanern ins Bett zu legen. Es ist das Geschäft, welches die BBC gross gemacht hat. Vor allem in Baden gehen die Erinnerungen 30 Jahre zurück: Bei der Fusion von BBC mit der schwedischen Asea gingen Tausende von Arbeitsplätzen verloren. Wiederholt sich die Geschichte? Und dies kurz nach der Konsternation über den Stellenabbau bei General Electric?

Rückschlag auch für die Bemühungen der Regierung um Senkung der Gesundheitskosten: Das Aargauer Verwaltungsgericht ist ihr in einem Beschwerdefall in die Parade gefahren. Es hat jenen Teil der Spitalverordnung aufgehoben, welcher bei 13 Eingriffen den Grundsatz «ambulant vor stationär» postulieren wollte. Da definiert die Politik mal ein griffiges Sparziel – und schon wird es von einem Gericht für nichtig erklärt. Okay, das ist Gewaltenteilung. Kräftezehrend ist es trotzdem.

Der Grosse Rat hat sein Arbeitsjahr abgeschlossen. Insgesamt 14 Mal hat er sich 2018 ganz- oder halbtags getroffen, also noch rund jeden vierten Dienstag. Ein Kanton im Sparmodus halt. An der Schlusssitzung gab es noch ein deprimierendes Thema zu besprechen: Bussen für Littering. Auch im Aargau ist das Klischee vom sauberen Land, von In- und Ausländern früher gern bemüht, längst passé. Die Wegwerfgesellschaft wirft auch im öffentlichen Raum weg. Das englische «littering» tönt etwas vornehmer als das deutsche «Vermüllung». Bedrückend ist es allemal, dass dagegen ein kantonales Gesetz mit Sanktions-Androhung nötig ist.

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